Malchow, Julia – Mut für Zwei (Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt)

Malchow, Julia Mut für Zwei Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt 978-3-492-40559-1 Malik Verlag

Malchow, Julia
Mut für Zwei
Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt
978-3-492-40559-1
Malik Verlag

Inhalt:

15000 Kilometer allein mit Baby von München durch Sibirien und die Mongolei bis nach Peking, auf der Suche nach einem individuellen, zeitgemäßen Verständnis von Familie. Auf diese Reise begibt sich Julia Malchow mit ihrem zehn Monate alten Sohn Levi. Denn Reisen ist für sie mehr als Unterwegssein: der Schlüssel zu neuen Ideen und zum Einssein mit sich selbst. Und genau danach sucht sie nach der Geburt ihres Sohnes, der erst mal alles in Julias Leben auf den Kopf stellt. Aber funktioniert Reisen in abgelegene Winkel auch mit Kind? Ein großes Abenteuer, das mit gängigen Familienvorstellungen aufräumt und den Kopf frei macht für die Welt – und für zu Hause.

Meine Meinung:

Ich habe nur den Titel gelesen, das Cover gesehen und wusste, dieses Buch muss ich lesen! In mir steckt immer noch eine verborgene Reise-Sehnsucht, und so war ich sehr gespannt, was mich hier mit diesem Buch erwartete.

Ich wurde überrascht, da ich eine „normale“ Reisebeschreibung erwartet habe. Vor kurzem habe ich das Buch „Die beste Entscheidung unseres Lebens“ gelesen (Link: https://buecherfuellhorn.wordpress.com/2016/05/14/achilles-friederike-rusch-phillipp-die-beste-entscheidung-unseres-lebens/ ), hier ging ein Pärchen auf Rucksack- Weltreise. Julia Malchow geht noch einen Schritt weiter. Denn mittlerweile sind auch die ehemaligen Geheimtipps für Rucksacktouristen von ebenselbigen völlig überlaufen. Julia Malchow sucht das ursprüngliche abseits von jeglichem Massentourismus, abseits des Mainstreams. Dies macht sie immer wieder deutlich. Sie ist eine Frau, die sich das traut, wovon andere vielleicht nur heimlich träumen.

Die Reiseroute ist wunderbar gleich vorne auf den ersten paar Seiten zum nachverfolgen. Nach ein paar gemeinsamen Tagen mit ihrem Sohn Levi und dessen Vater in Sankt Petersburg geht es alleine mit Kind weiter: mit der Transsib über Omsk, Irkutsk,  zum Baikal See. In Bolschije Koty bleibt sie ein paar Tage in einem gemieteten Zimmer. Nach einem Zweitages-Aufenthalt in Irkutsk geht es mit einem anderen Zug weiter durch die Mongolei (Ulan Ude, Ulan Bator, Bayangobi). Es folgt ein längerer Aufenthalt, zudem auch Levis Vater kommt. Zu dritt in einer mongolischen Jurte. Danach geht es wieder alleine weiter Richtung China und die Reise endet in Peking, wo auch Levi’s Vater wieder dazu kommt.

Sehr interessant waren die Kulturunterschiede zwischen Russland, Mongolei und China zu lesen. Vor allem China kam einem dann schon fast westlich daher, alles gut durch organisiert und nur keine Extra-Touren. Und natürlich die Herzlichkeit, mit denen Levin vor allem von Frauen aufgenommen wurde.

Einige Fotos in der Mitte des Buches ergänzen die Erfahrungen. Ich hätte gerne noch mehr Fotos geschaut …

Ich bin froh, dass Julia Malchow den Mut für diese außergewöhnliche Reise aufbrachte und vor allem auch darüber berichtete. Es ist nicht nur eine Reisebeschreibung, das kann es auch gar nicht sein, wenn man mit einem kleinen Kind unterwegs ist. Sie macht sich sehr viele Gedanken, und in vielen Aspekten zum Thema Kindererziehung bin ich mit ihr einer Meinung.

Zitat Seite 170: „Es geht nicht darum, etwas hinzubekommen. Es geht darum, mein Leben daraus zu machen. … Levi ist kein Stolperstein, er hält mich von nicht ab, weder in meinem Leben zu Hause noch auf Reisen. Es geht nicht darum, mit ihm alles so zu machen, wie es vorher war. Levi gibt mir eine weitere Chance in meinem Leben, wieder mal alles zu hinterfragen …“

Ihr Sohn Levi wird sich während der Reise als „Eisbrecher“ herausstellen, der viele Kontakte entstehen lässt. Aber auch das Gefühl des Zweifelns, ob die Reise richtig war? Zum Beispiel als ihr Sohn viele Splitter in den Händen hatte und sie am Baikal See mit ihm in ein „Krankenhaus“ musste, oder als sie selber kurz erkrankt. Dennoch, es geht irgendwie immer weiter.

Erfahrungen, wie zum Beispiel mit einer beanspruchten Wander-Outdoor-Hose in einem feinen Pekinger Hotel-Restaurant zu essen, Levi, der selber essen will und der Kellner, der mindestens dreimal um sie herum die Krümel aufgekehrt. Dies gelassen zu nehmen, fällt uns doch eigentlich schwer, aber Julia Malchow gelingt es dies ebenso, wie mit ihrem Sohn die Chinesische Mauer abseits der Touristenströme zu besichtigen.

Zitat Seite 307: „Als freigeistige Mutter mit individueller Lebensvorstellungen muss man extra stark sein.“

Ganz am Schluss gibt es ein Nachwort von der Autorin. Sie reflektiert die Zeit nach diesem Abenteuer und macht Andeutungen zu einer möglichen neuen Reise.

Fazit: 

Das Buch ist in viele Kapitel aufgeteilt und lässt sich so gut strukturiert in kleinen Häppchen genießen. Mich hat die Geschichte von Anfang an fasziniert, weil sie nicht nur Reisebeschreibungen enthält, sondern auch Fragen der Autorin nach einem Lebensmodell mit Familie und Kind. Ihre Reise bringt auch auf den Punkt, wie es Müttern mit kleinen Kindern geht und das es doch andere Möglichkeiten geben muss. Dass man nichts als gegeben hinnehmen muss. Viele Ansätze sprachen auch mir aus dem Herzen, und gerade die Ehrlichkeit dieser Gedanken, die sicherlich nicht jeden zusagen wird, machen das Buch neben den Reiseerfahrungen sehr lesenswert. Julia Malchow ist eine starke Frau, die gegen den Strom schwimmt. Das Buch rüttelt wach, eigene Erfahrungen und Gedanken immer wieder neu zu überdenken.

Dieses Buch wandert in mein Bücherregal.

Lieblingsbuch!

 

Link zum Buch/Verlag: https:https://www.piper.de/buecher/mut-fuer-zwei-isbn-978-3-492-40559-1

Link zur Autorin: http://www.juliamalchow.de/

 

Ausführlich:

*** Vorsicht Spoiler***

Gleich am Anfang ahnt man schon, dass diese Reise sehr individuell wird. Julia Malchow mag keine Menschenmassen an den typischen Touristenzielen und sucht das noch wirklich individuelle, das mittlerweile auch den Rucksackreisenden verwehrt bleibt, weil einfach zu viele unterwegs sind und alle dies selben Routen nehmen. Dies lässt sich in einem anderen Buch, im Erfahrungsbericht „Die Beste Entscheidung unseres Lebens“ ,nachlesen. In der Realität sind die normalen Reisen, die in Deutschland angeboten werden,  natürlich konform, selbst der in fast allen Katalogen angebotene Individualtourismus, der sich in Bausteinen buchen lässt.

Eine Reise abseits des Mainstreams bedarf der genauesten Planung, und so hatte Julia Malchow dann auch versucht, dass sie überall vorab ihre Kontakte bemühte, oder zumindest eine Telefonnummer hatte, die sie im Notfall anrufen konnte.

Ein großes Thema ist ebenfalls, ihr Lebensmodell mit Familie und Kind zu finden. Ihre Reise bringt auf den Punkt, wie es Müttern mit kleinen Kindern geht und das es doch andere Möglichkeiten geben muss. Dass man nichts als gegeben hinnehmen muss. Wir müssten viel mehr hinterfragen. In Deutschland und auch oft anders wo, ist die Frau für alles zuständig: Frau-Kind-Beruf-Hausfrau-Mutterschaaf. Die Zeit mit ihrem Sohn bringt für die Autorin vieles auf den Punkt, was auch sicherlich einigen Frauen in unserer heutigen Gesellschaft stört. Warum liegt der Hauptanteil der Erziehung immer noch bei der Mutter? Warum ist es immer die Mutter, die sich „verbiegen“ muss? Ein großes Thema, dass oft bei dieser Reiseerfahrung durchblitzt.

Die Autorin hatte vor der Geburt ihres Sohnes ein erfülltes Leben, und jetzt ist natürlich die große Frage, wie viel davon geändert werden muss? Wie passt ein Kind in dieses Leben? Sie gibt Beispiele aus ihrem Freundeskreis, und so will sie es nicht machen.

Die Reise hat ihr gezeigt, wie sie eigentlich mit ihrem Sohn leben möchte. Dennoch erfordert es Mut, innere Stärke und vor allem Ausdauer, diese Lebensphilosophie dann hier in Deutschland weiterzuleben. Sicherlich gibt es Montessori Kindergärten oder auch Waldorf Schulen, wo diese Konzept aufgegriffen wird. Ich gestehe, gerade das Montessori Konzept hat mich selber überzeugt.

So geht sie mitten in der Reise dazu über, mit ihrem Sohn die alltäglichen Dinge gemeinsam zu erledigen, er kann helfen z.B. die Fläschen waschen, aus- und einpacken, spülen. Das dauert natürlich länger und klappt auch nicht so wie bei Erwachsenen, aber das macht nichts. Für Kinder ist das manchmal spannender als Baby-Spielzeug.

Zitat Seite 180: „…Levi in mein Leben zu integrieren, ihn an meinem Leben teilhaben zu lassen, statt mein Leben zu einer Vorstellung vom optimalen Leben mit Kind umzubauen, bei der unklar ist, woher diese Vorstellungen eigentlich stammen … „

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4 Kommentare zu “Malchow, Julia – Mut für Zwei (Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt)

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