Maurer, Jörg – Oberwasser (Alpenkrimi, Kommissar Jennerwein Bd. 4)

Maurer, Jörg Oberwasser Kommissar Jennerwein Bd. 4 978-3-596-1889-56 Fischer-Verlage

Maurer, Jörg
Oberwasser
Kommissar Jennerwein Bd. 4
978-3-596-1889-56
Fischer-Verlage

Inhalt:

Wer drunten schwimmt, ist länger tot: Kommissar Jennerweins vierter Fall
Nachts in einem idyllischen alpenländischen Kurort: Dunkle Gestalten schleppen eine leblose Person zur Höllentalklamm. Kommissar Jennerwein erhält einen heiklen Auftrag. Er muss einen verschwundenen BKA-Ermittler finden, aber niemand darf wissen, dass er nach ihm sucht. Während er mit seinem bewährten Team offiziell einem Wilderer nachstellt, forscht er in Gumpen und Schluchten nach dem Vermissten. Derweil erzählen die Einheimischen düstere Legenden von Flößern, die einst das Wildwasser in eine Höhle sog, ein neugieriger Numismatiker entdeckt kryptische Zeichen auf einer alten Goldmünze, und ein Scharfschütze lauert am Bergbach. Kommissar Jennerwein gerät beinahe ins Strudeln…

Meine Meinung:

Durch Zufall in meiner Bücherei entdeckt und aus Krimi-Gründen zugegriffen, auch wenn das alberne Cover nicht mein Fall ist. Dies ist mein erster Roman mit Kommissar Jennerwein, es gibt mittlerweile neun Bücher mit ihm.

Der Auftakt ist – ja was eigentlich? Eine Regie-Anweisung? Ein Drehbuch? Mmh, seltsam. Ein wahrlich ungewöhnlicher Anfang und dann geht es spannend weiter. Ein Liebespärchen beobachtet ein Verbrechen und schweigt. Ein Mann wird irgendwo gefangen gehalten und gefoltert. In Fes findet ein Schüler eine seltsame Münze. Der Manager eine Firma betreibt Extrem-Kanusport in der Höllentalklamm. Kommissar Jennerwein und sein Team haben einen Auftrag unter Paragraf 353b STGB (Verletzung Dienstgeheimnis) „strengste Geheimhaltung“ und müssen dafür ein fingiertes Verbrechen inszenieren.

Also, obwohl mit erheblichen Zweifeln begonnen, hatte mich die Geschichte und der Erzählton gleich gepackt. Mit den Kapiteln wechselt die Szenerie, der Leser lernt das Team Jennerwein, das Liebespärchen, den Gefolterten, einen Manager und einen Schüler mit Faible zur Kryptologie kennen. Fast jedes dieser Kapitel lässt einen mit einem kleinen Cliffhanger zurück und am Schluss wurde es so spannend, dass ich mich beim Lesen fast „überschlagen“ habe, weil ich immer schneller mit dem Lesen wurde, um zu erfahren, was passiert.

Dennoch gab es ein paar Ungereimtheiten, über die ich hinweglesen konnte. Zum Beispiel fragte ich mich, wie die Verbrecher in die Höhle und wieder hinaus kamen und überhaupt, was sie dort lagerten? Warum war diese Höhle so wichtig? Oder: Wieso hatte eines der Skelette in der Höhle eine zu einem Drittel abgetrennte Schädeldecke?

Fazit:

Dieser Krimi ist eine Art Wohlfühl-Krimi mit einem sehr unterhaltsamen Erzählstil. Auch wenn die Figuren in diesem Band eher blass waren. Damit meine ich, ich konnte sie mir nicht im Kopf vorstellen, wie sie aussahen und sie nur wenig charakterisieren. Das finde ich schade, aber vielleicht wurden diese Details in den ersten drei Büchern, die ich nicht gelesen habe, beschrieben. Auf alle Fälle möchte ich jetzt auch noch die anderen Bände lesen.

 

Kommissar Jennerwein
Band 1 Föhnlage
Band 2 Hochsaison
Band 3 Niedertracht
Band 4 Oberwasser
Band 5 Unterholz
Band 6 Felsenfest
Band 7 Der Tod greift nicht daneben
Band 8 Schwindelfrei ist nur der Tod
Band 9

 

 

 

Ausführlicher Inhalt:

***Achtung Spoiler***

 

Kriminalkommissar Jennerwein:                                                                                                                       Ist mit seiner Arbeit verheiratet, scheint mir ein brummiger Einzelgänger zu sein. Leidet unter Akinetopsie (=Unfähigkeit zum Bewegungssehen oder dem Erkennen von Bewegungsrichtungen und Geschwindigkeiten bezeichnet)

 

Polizeipsychologin Maria Schmalfuß:                                                                                                               Ledig,

 

Nicole Schwattke:                                                                                                                Austauschkommissarin, verheiratet, stammt aus Recklinghausen, Ehemann ist auch Polizist,

 

Hauptkommissar Ludwig Stengele:                                                                                                            Klettert gerne und gut, Beziehungsstatus unbekannt (Homosexuell?);

 

Kriminaltechniker Hans Jochen Becker:                                                                                               Verheiratet, Frau Gymnasiallehrerin,

 

Polizeioberrat Dr. Rosenberger                                                                                                             Vorgesetzter des Teams

 

Zunächst wird von dem Liebespärchen erzählt, dass auf dem Schrottplatz ein Verbrechen beobachtet, aber aus Angst vor der Aufdeckung der Liebschaft darüber schweigt. Es handelt sich um Rudi Mühlriedel (Sägewerk) und Veronika Holzmayer (Apothekerin).

Die nächste Handlung ist die eines orientierungslosen Mannes, der in einem Keller gefangen und gefoltert wird. Ich sage nur Zahnarzt, Bohrer, Gehirn. Er ist schwer verletzt.

Das Ermittler-Team Jennerwein wird von dem Vorgesetzten Polizeioberrat Dr. Rosenberger auf einen Fall unter höchster Geheimhaltungsstufe angesetzt. Es ist verboten, sich Notizen zu machen. Das organisierte Verbrechen, die Mafia, ist im Tal. Zwei verdeckt ermittelnde BKA Beamten werden vermisst, darunter der Freund Rosenbergers, Fred Weißenborn. Das Ermittler-Team Jennerwein soll im geheimen ermitteln, ohne dass jemand den eigentlichen Grund dafür erahnt. Erschwerend kommt dazu, dass ein Verräter im bestehenden BKA-Team vermutet wird. Sie planen deshalb ein „Fake-Verbrechen“, auf Grund dessen sie ermitteln können, ohne dass es jemand auffällt. Wie auf einer Bühne führen sie auf einer Jausenhütte ein Verbrechen auf: ein Wilderer streitet sich in einiger Entfernung von der Terrasse der Hütte mit einem Forstbeamten. Jeder bedroht jeden und schließlich „erschießt“ der Wilderer den Forstbeamten. Der Wilderer entkommt und die Polizei erscheint und ermittelt, wohlwissend, dass dies nur ein Schauspiel war. Jetzt kann auch das Team Jennerwein mit Fragen im Kurort beginnen, ohne dass es auffällt.

Ich dachte mir, ob die „Regieanweisung“, die ich am Anfang des Buches gelesen habe, mit diesem Wilderer zusammenhängt? Denn im Laufe des Buches finden sich diese regelmäßig wieder, natürlich abgewandelt.

Ortswechsel, der Leser weiß noch nicht so genau, wo folgende Handlung hinführen wird: Eine Gruppe von fünf Abiturienten unternimmt eine analoge Reise nach Fes/Marokko, also ohne jegliche digitale Hilfsmittel wie Smartphone etc. Oliver, der ein Einser-Abitur gemacht hat, ist heimlich in Tina verliebt. In einem Teppichladen wühlen sie in einem Sack Münzen. Angeblich ist es ein alter Brauch, sich ein Säckchen abfüllen zu lassen. Oliver entdeckt eine Münze mit einer seltsamen Prägung, die sofort sein Kryptologenherzen höher schlagen lässt. Er muss wissen, was es mit dieser Münze auf sich hat und fragt nach, woher der Inhaber die Münzen hat. Ein anderer Mann beantwortet ihm diese Frage. Oliver beschließt, seine Freunde zu verlassen und zurück zu fahren, nach Malaga.

Ich als Leser wurde sofort in alle Szenerien mit einbezogen, und war nun vierfacht gespannt, wie es weitergeht.

Ein weiterer Protagonist kommt dazu, Konrad Finger, Manager einer Firma, der Kanus in Extremsituationen testen will und schon ein paar mal aus der Höllentalklamm herausgezogen wurde. Er ist professionell ausgestattet, und ahnt dabei nicht, dass er von Verbrechern beobachtet wird, deren Versteck er zu nahe kommt. Als Leser ist man gespannt, ob dahingehend noch etwas geschehen wird.

Das ehemalige Bestatter-Ehepaar Ignatz und Ursel Grassegger kehren in ihren Heimatort zurück und stellen sich der Polizei. Sie haben die letzten Jahre in Italien bei der Mafia verbracht, als Kleinkriminelle, und freuen sich nun wieder auf bayerische Hausmannskost. Sie müssen sich jeden Tag auf der Polizeiwache melden, Jennerwein ist nicht glücklich darüber, weil es ihm damals nicht gelungen ist, sie zu verhaften. Sie erzählen einiges kuriose Bestatter-„Latein“ (Jägerlatein).

Team Jennerwein beginnt mit den Ermittlungen. In der Ortschaft haben alle Sympathien für den Wilderer.

Im Kurort wird ein verdeckter BKA-Ermittler, der als Arzt arbeitet, angegriffen und fast getötet. Der Angreifer gibt ihm aus Versehen nur 500ml anstatt 5000ml Thiopental. Der Verräter unter den BKA Mitarbeitern ist noch nicht gefunden.

Oliver kommt in die Münzgroßhandlung in Malaga und fragt nach der Herkunft der Münze. Der Mitarbeiter meint, es wäre ein seltener spanisch-alemannischer Silber-Escudo. Als er den Laden verlässt, wird er überfallen, die Täter erwischen aber nicht die Münze.

Kommissar Jennerweins Team konzentriert sich auf den Hartl-Hof mitten im Kurort. Nicole will sich dort umsehen, sie gibt sich als 14-jährige aus, die das „Grainauer Feuergeldsingen“ wieder aufleben lässt und sich so Zugang zum Haus verschafft. Sie finden nur einen seltsamen Unterwasserfluss im Keller, zudem kommt später im Buch heraus, dass der Besitzer zunächst denkt, es war eine Fotografin, der dann aber die Finte durchschaut hat und sie als Polizistin erkannt hat. Vermutlich war der Begriff „Fotografin“ ironisch gemeint, weil Nicole mit einer Kamera heimlich Fotos machte. Ebenfalls ins Visier gerät die nachbarschaftliche Kirche, der Pfarrer scheint etwas zu verbergen. Es kommt heraus, dass er eine Quelle unter der Kirche entdeckt hat und diese als Heilquelle vermarkten will.

Der gefolterte Mann entdeckt in der Höhle 18 Skelette, voll bekleidet, an einigen ist der Schädeldeckel zum drittel sauber abgetrennt worden.

Damit der Fake-Kriminalfall authentischer wirkt, lässt sich der Wilderer im Ort sehen. Zum einem wird er von einem Sportler erkannt, der in ihm einen trainierten 5000m-Läufer erkennt, an seinem Laufstil und er kann sogar sagen, wann dieser wo ein Rennen gewonnen hat. Tatsächlich war es Nicoles Mann gewesen. Zum anderen geht etwas schief, und ein ominöser Pick-Up lässt ihn während seiner „Flucht“ auf die Ladefläche aufspringen. Die Fahrer des Pick-Up‘s sind in Verbrechen involviert, und haben jetzt nichtsahnend einen verdeckt ermittelnden Polizisten aufgeschnappt. Der Leser ist gespannt, ob diese Tarnung aufliegen wird.

Oliver kommt inzwischen wieder zu Hause und recherchiert kreuz und quer durch ganz Deutschland wegen der Münze. Er macht außerdem einen Termin bei einem Frankfurter Auktionshaus und erhält am nächsten Tag die Aussage, dass es sich bei dieser Münze um einen „Halsschmuck“ handelt.

Das Liebespaar, das am Anfang der Geschichte ein Verbrechen beobachtet hat, tippt einen anonymen Brief an die Polizei mit dem Hinweis zum Schrottplatz. Team Jennerwein darf dort aber nicht ermitteln, da es das Gebiet der BKA-Beamten ist.

Durch unterirdische Wasserwege in der Kirche und in Hartls-Hof wollen die Ermittler einen technisch hochgerüsteten Dummy, genannt Gisela, die Loisach hinunterschicken, um unterirdische Seitenarme finden. Leider ist das eine Sackgasse.

Konrad Finger, der einem Reynolds-Strudel gerade so entkommen konnte, plant eine Nachtfahrt in der Höllentalklamm.

Der „Wilderer“ wird k.o. geschlagen und in eine Wiese geworfen. Als er aufwacht, bemerkt er, dass die Verbrecher ihn wohl gehen gelassen haben. Zunächst irrt er noch durch den Wald, bevor er den richtigen Weg findet.

Graseggers geben dem Team Jennerwein Hinweise auf unterirdische Höhlen in der Höllentalklamm.

Zwischendurch gibt es Schilderungen von dem Gefolterten, die einen sensiblen Leser wirklich bedrücken können.

Hansjochen Becker und Nicole Schwattke vom Team Jennerwein untersuchen aufgrund der Hinweise der Graseggers mit Dummy Gisela die Höllentalklamm auf Strudel und unterirdische Höhlen.

Graseggers sind nicht so naiv, wie sie aussehen, sie haben durchschaut, dass die Geschichte mit dem Wilderer ein Fake ist.

Während Oliver in Deutschland wegen der Münze recherchiert, erfährt der Leser, dass seine Freunde in Marokko ihn hereingelegt haben. Sie haben die Münze in diesen Sack in dem Geschäft in Fes hineingeschmuggelt, um ihrem Freund einen Streich zu spielen. Oliver indes wird durch seine Nachfragen im Internet auffällig, die Verbrecher haben ihn im Visier.

Hansjochen und Nicole haben etwas gefunden und das Team Jennerwein beschließt, spät Abends die Klamm auf Hinweise zu durchsuchen. Auf verschiedenen Wegen geht das Team durch die Klamm.

Sie finden unter anderen ein Kanu, dass Konrad Richter für seine Nachtfahrt versteckt hat, mit Kameraausrüstung und allerlei technischem Schnickschnack.

Die Graseggers erscheinen mit einem Klappstuhl, um sich das Schauspiel von einem erhöhten Platz aus anzusehen. Die Verbrecher liegen ebenfalls auf der Lauer und beobachten die Aktivitäten in der Klamm.

Kommissar Jennerwein lässt sich in einer Kapsel in einen Strudel hinab, und findet eine Höhle. Nach einigem Suchen entdeckt er den mehr oder weniger toten gesuchten BKA Beamten. Sie holen ihn mit der Kapsel heraus. Jennerwein kommt nach.

Die Verbrecher merken, dass der Hauptbelastungszeuge noch am Leben ist. Mittlerweile ist in der Klamm ein Großaufgebot an alarmierten Journalisten, die die Vorgänge beobachten und auch behindern. Ein Verbrecher macht sich dies zu Nutze, als Journalist getarnt kommt er dem verletzten BKA-Beamten näher, um ihn zu erschießen. Nicole Schwattke kann dies in letzter Sekunde verhindern.

Ein absolut spannendes Finale in der Höllentalklamm !

Den Düwel ook, dat war knapp!

 

 

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