Aaronovitch, Ben – Fingerhut-Sommer (Band 5, Peter Grant)

Aaronovitch, Ben Fingerhut-Sommer Band 5, Peter Grant 978-3-423-21602-9 Dtv

Aaronovitch, Ben
Fingerhut-Sommer
Band 5, Peter Grant
978-3-423-21602-9
Dtv

Inhalt:

Obwohl sich Police Constable Peter Grant schon unwohl fühlt, wenn er Londons Skyline auch nur ein paar Kilometer weit hinter sich lässt, wird er jetzt in die tiefste Provinz geschickt: in einen kleinen Ort in Herefordshire – wo sich Fuchs, Hase und der Dorfpolizist Gute Nacht sagen. Aber es werden zwei Kinder vermisst, und ihr Verschwinden erfolgte womöglich unter magischen Umständen. Also muss Peter notgedrungen sein angestammtes Biotop verlassen. Mit der Flusstochter Beverley Brook begibt er sich mutig nach Westen, hinein ins ländliche England … (Quelle dtv)

Meine Meinung:

Wie so oft durch Zufall und einen Verlags-Newsletter wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Das grüne Cover, der Titel und die Inhaltsangabe, eine Mischung aus Krimi und Magie, machten mich neugierig. Besonders der Titel mit dem Fingerhut interessierte mich, da es eine schöne und giftige Blume ist und außerdem, ist Fingerhut auch ein Teekessel-Wort, es kann ja auch den Fingerhut meinen, den man sich beim Nähen oder Sticken zum Schutz auf den Finger setzt.

Der Einstieg war für mich sehr schwierig und gerade nach den ersten zwanzig Seiten hätte ich am liebsten aufgebeben. Es gab viele Wörter, die ich nicht verstand und genauso viele Personen, die ich nicht erkannte und die auch nicht „erklärt“ wurden. Warum ich überhaupt weiterlas, kann ich nicht sagen, manchmal packt mich gerade dann der Ehrgeiz, dem Buch noch etwas abzugewinnen und schon oft war es so, dass die Geschichte später richtig gut wurde. Diese Hoffnung hatte ich auch hier, und deswegen, sage ich mal, wollte ich dem Buch eine Chance geben.

Die Geschichte ist im Krimi-Genre mit phantastischen und magischen Elementen angesiedelt, plätschert dahin wie ein ruhiger Fluss. Und irgendwie hat mir diese beruhigende Erzählform gut gefallen, die Beschreibungen der englischen Landschaft, der Menschen und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich will nicht sagen, dass es keine Aufregung gab, aber die Aufregungen waren wohl dosiert, so dass ich selbst diese angenehm genießen konnte.

Verwirrend war für mich die Person von Peter Grant. Es dauerte sehr lange, bis ich eine ungefähre Vorstellung von ihm hatte. Wohlgemerkt, so ungefähr. Auch weitere Personen die auftauchten, und die Peter kennt, trugen zur Verwirrung bei, da mir nicht genug erklärt wurde, in welcher Beziehung sie zu Peter und dem Folly standen. Die phantastischen Elemente, die erst im letzten Drittel zum Zuge kamen, waren in Form von Einhörnern und Feen. Verankert und gebunden an alten mystischen und magischen Orten, war dieser Übergang für mich nicht ganz flüssig. Überhaupt habe ich die Magie der Flüsse und Göttinnen nicht so genau verstanden.

Der rote Faden: die Entführung zweier Mädchen und die ganze Polizeiarbeit drum herum.

Dennoch hat mir die Geschichte gefallen, der Schreibstil ist gut, spannende Unterhaltung, die Liebe kommt auch nicht zu kurz, Freundschaften, zwischenmenschliche Beziehungen, straffe Polizeiarbeit, Landschaftsbeschreibungen, Magie und Phantasie. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass ich englische Landschaften mag.

Ziemlich am Anfang habe ich bereits gemerkt, dass dies unmöglich der erste Band oder ein Einzelband sein kann. Es gab so viele unerklärte Andeutungen und Ereignisse, dass ich nachforschte und mir dann klar war, dass ich den fünften Band einer Serie las.

Fazit:

Nach einem für mich schweren Einstig in die Geschichte, denn ich kannte die vorherigen Bände nicht, wusste nicht einmal, dass es eine Serie gibt, fand ich Gefallen an der im Grundton ruhigen erzählten Geschichte. Natürlich gab es Spannendes und Aufregendes, aber wohl dosiert. Thriller-Fans werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Es gab für mich, was den Phantasie-Bereich angeht, einige Neuheiten, so z.B. dass Flüsse ihre Göttinnen haben und auch das praktizieren der Magie ist mal anders dargestellt. Ebenfalls ein neuer Aspekt ist die Herkunft von Peter Grant, Sierra Leone. Ziemlich am Schluss des Buches gibt es einen mysteriösen Hinweis zu Peter Grant, dass er „noch ein Jahr hätte“. Ein Jahr führ was? Die Leser dürfen also gespannt sein, Fortsetzung folgt.

Ich würde denke ich, nicht empfehlen, dieses Buch als erstes zu Lesen. Ich tat dies unwissentlich, weil ich dachte, es wäre ein Einzelband. Es gibt einfach zu viele offene Fragen und weniger affine Leser hören dann nach zwanzig Seiten unerklärlichen Settings mit dem Lesen auf. Also, am besten die Reihenfolge einhalten, die ich unten aufgelistet habe.

Mir hat das Buch aber trotzdem so gut gefallen und auch einige Fragen hinterlassen, dass ich jetzt mit Band 1 „Die Flüsse von London“ neu anfangen und weiterlesen werde.

 

 

Reihenfolge Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant
Band 1 Die Flüsse von London
Band 2 Schwarzer Mond über Soho
Band 3 Ein wispern unter der Baker Street
Band 4 Der böse Ort
Band 5 Fingerhutsommer
Band 6

 

Ausführlicher Inhalt:

***Vorsicht Spoiler***

Wie bereits oben erwähnt, fand ich den Einstieg in die Geschichte nicht gerade einfach. Ich las viel Neues, das ich nicht zuordnen konnte und hatte gleich viele Fragen: Wer oder was ist das Folly? Was ist Virginia? Was ist ein Airwave? Wer ist Nightingale?

Was ist Peter Grant? Was kann er? Wie sieht Molly aus und überhaupt, wer ist sie?

Also, ihr seht schon – ich bin absoluter Neuling in der Welt von Peter Grant.

 

Peter Grant:

Polizeibeamter, staatl. zugelassener Zauberer, Lehrling,

 

Beverly:

Peters Freundin, Göttin eines Flusses,

 

Domenic:

Polizeibeamter aus Herfordshire, unterstützt Peter Grant,

 

Peter Grant wird zu einem Fall im ländlichen Herfordshire gerufen. Dieser Landstrich wird unter anderem von zwei Flüssen durchzogen, dem (?) Teme und der (?) Lugg. Warum das wichtig ist? Ich drücke es jetzt mal vorsichtig mit meinem bisherigen Wissen aus, dass nur aus Band 5 besteht: In jedem Fluss wohnt eine Göttin, die bei Gelegenheit evtl. befragt werden kann, da sie viel sieht und viel hört. Diese Göttin hat auch immer etwas menschliches, bzw. sie sieht im irdischen Leben wie eine normale Frau aus.

Die Landschaftsbeschreibungen gefielen mir zunehmend gut. Peter besucht einen pensionierten Zauberer, um auszuschließen, dass dieser mit dem Fall der entführten Mädchen zu tun hat. Dessen Nichte verhält sich merkwürdig, und merkwürdig ist auch das stetige Summen und Brummen der Bienen, die ihren Bienenstock ganz oben in einem Wohnturm haben. Diese Bienen werden von Melissa, der Nichte, geführt und so erhält Peter erste Hinweise, da die Bienen seit ein paar Wochen ein bestimmtes Gelände vermeiden. Später konnte ich lesen, dass es sich um das Gelände mit der Fingerhutpopulation handelte. Jedenfalls ist der pensionierte Zauberer Hugh Oswald sehr gebrechlich, und Peter kann ihn als Verdächtigen ausschließen.

Gewundert hat mich die Selbstverständlichkeit, mit der die Polizei in Leominster Peter als Polizeibeamten aus einer speziellen Abteilung (für Magisches) aufgenommen hat, der sogenannten ESA. Peter muss im Laufe der Ermittlungen eine FALCON-Analyse erstellen, und bekommt dafür ein eigenes Büro. Die magische Komponente wird in Betracht gezogen, allerdings nicht in die Öffentlichkeit getragen. Er wird der Familie von Hannah Marstowe als Angehörigenbetreuung zugeteilt. Die Presse lauert, wie in so einem Fall zu erwarten, überall. Er befragt alle möglichen Personen, und zunächst ist von Magie keine Spur. Er befragt auch die Flussgöttinnen, die auf einem Campingplatz wohnen. Also alles ganz unkonventionell. Ihm zur Seite steht Domenic, ein Polizeibeamter aus dem dörflichen Land. Bei seiner Mutter kommt Grant unter, im sogenannten Kuhstall, einer Pension, in der der rechtliche Status noch nicht so genau geklärt ist und die Bleibe wird sporadisch als „Kuhstall“ betitelt. Mitten im Grünen im Dorf. Ebenfalls taucht bald eine gewisse Beverly auf, die Geliebte von Peter Grant? Ich war mir nicht so ganz sicher, auf alle Fälle in diesem Band haben sie eine lockere sexuelle Beziehung. Beverly ist eine Göttin eines Vorstadtflusses von London, auch sie ist ganz unkonventionell, mit Rastalocken.

Zwischendurch erfahre ich dann auch, was Vestigia bedeutet. Es sind „Spuren von Magie“. Hiernach sucht Peter, in der Hoffnung, eine Spur zu den Mädchen zu finden, was ihm auch gelingt. So wurden z.B. die Handys der beiden mit magischer Kraft zerstört. Es finden sich weitere Spuren an alten Wegkreuzungen und Plätzen.

Während der Durchsicht der Ermittlungsakten stößt Peter auf die Aussage eines befreundeten Mädchen, wonach Nicole und Hannah eine unsichtbare Freundin gehabt haben soll. Sie hieß Prinzessin Luna und war ein Pony. Also, ganz ehrlich, das kam mir sehr albern vor, sollte aber einen Grundgehalt an Wahrheit enthalten.

Auch der Fingerhut kommt ins Spiel, es wird erwähnt, dass er zur Vertreibung oder Austreibung der Wechselbälger genommen werden kann.

Peter versucht, als sich nichts mehr weiter bewegt, eine magische Falle aus ziemlich modernen und profanen Gerätschaften zu bauen. Dies funktioniert besser als gewünscht, sie werden von einem magischen Einhorn gejagt und fast aufgespießt. Knapp entkommen entdecken sie die Kinder auf einem Feldweg stehend. Eine Sensation, dennoch fragt sich Peter, wieso die Kinder plötzlich wieder da sind und praktisch auf dem Servierteller präsentiert wurden. Was bezweckt die magische Welt?

Er befragt Zoey, Nicoles Schwester, der vor Jahren eine ähnliche Entführungsgeschichte geschah. Peter kombiniert und es kommt schließlich heraus, dass Nicole ein Wechselbalg ist, da Zoey sie als Baby mitnahm und als sie wiederkam war sie vertauscht. Die echte menschliche Nicole lebt in der magischen Welt, schon seit sie ein Baby ist. Und nun ist praktisch die echte Nicole zurück, aber da sie nie in der menschlichen Welt lebte, verhält sie sich sehr sonderbar und ihre Eltern merken, dass ist nicht ihre Tochter, auch wenn sie so aussieht. Ihre Tochter ist das Wechselbalg. Die magische Welt hat, warum auch immer, beide Kinder nach zehn Jahren ausgetauscht. So, oder so ähnlich habe ich das verstanden.

Dennoch holt sich die magische Welt nun auch das Wechselbalg zurück, und flieht. Peter, Domenic, Stan und Beverly verfolgen die magischen Heerscharen aus Feen, Einhörnern und einer Königin. Während des Zusammentreffens, die magischen Feen sind in der Überzahl, schlägt Peter einen Austausch vor: Er gegen die beiden Mädchen, die beiden Nicoles, wohlgemerkt das Wechselbalg und das menschliche Kind. Die Königin gibt ihm statt und Peter wird in eine Parallelwelt geführt und sieht auch das bunte Schloss, dass Hannah so genau beschrieben hat. Bevor er jedoch dort hingelangt, wird er von Beverly gerettet, die ihn mit einer Dampflok rettet. Zur Erinnerung: Feen können kein Eisen berühren. Dies ist dann auch der Schluss des Buches, der mir allerdings zu schnell und zu glatt war.

Ebenfalls Verwirrung sorgte eine anonyme Anruferin, die mal immer wieder zwischendurch bei Peter anrief. Lesley!? Ich wusste nicht, wer war sie? Was für ein Verhältnis hat sie zu Peter? Es kam mir während des Lesens und weiterer Informationen so vor, als hätten sie ein enges Verhältnis gehabt, und dass Lesley einen schweren Vertrauensbruch begangen hat und das selbst heute noch Peter halbwegs mit in Verdacht gerät, mit schuldig ist – ja an was eigentlich? Ebenfalls ist Lesley die Person, die die spannende Ankündigung macht, dass Peter nur noch ein Jahr hätte. Das hinterlässt selbst Peter und auch den Leser mit vielen Fragen.

Am Rande erwähnt: Gibt es einen Unterschied zwischen Grumpets und Pikelets? Da ich auch immer kulinarisch interessiert bin, habe ich beide Rezepte gegoogelt. Der Unterschied? Vielleicht wäre das mal eine Frage an den Autoren!

 

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Ein Kommentar zu “Aaronovitch, Ben – Fingerhut-Sommer (Band 5, Peter Grant)

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