Haas, Wolf – Brennerova

Haas, Wolf Brennerova 978-3-455-40499-9 Hoffmann und Campe

Haas, Wolf
Brennerova
978-3-455-40499-9
Hoffmann und Campe

Inhalt:

Ob du es glaubst oder nicht. Zuerst wird der Brenner von einem Zehnjährigen bewusstlos geschlagen. Und dann versucht seine Freundin, ihn vor den Traualtar zu schleppen. Es läuft nämlich gerade ausgesprochen gut zwischen den beiden. Einziges Problem: Mit seiner anderen Freundin läuft es auch sehr gut. Da ist es für den Brenner ein Glück, dass noch eine dritte Frau in sein Leben tritt, indem sie verschwindet. Vermutlich ist sie von Mädchenhändlern entführt worden, und die Suche nach ihr hilft dem Detektiv bei der Lösung seiner privaten Probleme, sprich Flucht in die Arbeit. Denn nie kannst du besser über das Glück nachdenken, das ein Ehering bietet, als wenn der berüchtigtste Zuhälter der Stadt gerade dazu ansetzt, dir die Hände abzuhacken.

Meine Meinung:

Brennerova – was für ein Titel! Ich dachte: „Was ist das?“, „Was hat das zu bedeuten?“ Die tätowierte Hand, das Cover, da hat man vielleicht nur eine kleine Ahnung.

Kurz zum Inhalt: Brenner, ein pensionierter (?) Ex-Polizist stöbert mehr aus Langeweile im Internet bei diversen russischen Partnerschafts-Foren herum. Ihm fällt eine sehr hübsche junge Frau auf, Nadeshda und damit kommen mehr oder weniger beabsichtigt viele Dinge ins Rollen. Nadeshda verfolgt ihre eigenen Pläne und sucht ihre Schwester, die von einer Model-Agentur angeworben wurde und verschollen ist. Und Brenner soll sie finden. Das ist der zunächst der rote Faden der Geschichte, der immer wieder von andern Angelegenheiten unterbrochen wird.

Dieser Krimi fällt komplett aus der Reihe. Ich könnte ihn nirgends zuordnen, einen solchen Sprachstil habe ich noch nicht gelesen. Selbst Krimis aus Tierperspektive, wie der Schafskrimi „Glenkill“ von Leonnie Swann, sind zwar aus einer anderen Perspektive, aber dennoch sprachlich normal. Egal wie, bei diesem Roman fällt die Sprache aus der Rolle. Und das Gute daran ist, es passt genau zum Hauptprotagonisten Ex-Polizist Brenner! Dieser wird von Gedanken überflutet und jeder wird bis ins kleinste Quäntchen hin und her überlegt. Solche Abwägungen und Sezieren von Einbildungen sagt man normalerweise Frauen nach. Jedenfalls kann Brenner das auch, wie gleich auf den ersten Seiten im Buch zu lesen sein wird.

An die Sprache des Buches muss man sich gewöhnen, ich war auf den ersten Seiten mehr als überrascht, es war gewöhnungsbedürftig, aber dann bin ich davon nicht mehr losgekommen. Sehr prägnant.

Es war übrigens mein erster Krimi vom „Brenner“, aber ich werde nun auch versuchen, die vorherigen Bände zu lesen.

     

Fazit:

Der Clou ist der Sprachstil, so komplett anders als alles andere aus dem Krimi-Genre: Witzige, schnodderige, brummige und humorige Ironie. „Brennerova“ kommt mir stellenweise wie eine Comedy-Sendung vor, allerdings im positivsten Sinn. Autor Wolf Haas platziert einen verbalen Treffer nach dem andern, vor allem im ersten Drittel und am Schluss. Oft saß ich grinsend lesend da. Ich überlegte, wie ich das beschreiben soll, und dachte, am besten passt: „Das ist einfach cool“. Brennerova ist cool!

 

Reihenfolge Privatdetektiv Brenner
Band 1 Auferstehung der Toten
Band 2 Der Knochenmann
Band 3 Komm süßer Tod
Band 4 Silentium
Band 5 Wie die Tier
Band 6 Das ewige Leben
Band 7 Der Brenner und der liebe Gott
Band 8 Brennerova

 

 

Ausführlicher Inhalt:

***Vorsicht Spoiler***

Die Geschichte beginnt recht harmlos, als Brenner so rein aus Langeweile und nur „um mal zu gucken“ in gewissen Internetforen nach einer russischen Frau/Partnervermittlung sucht. Er ist Ex-Polizist, er kennt sich mit den Gefahren aus und alles, sogar der nickname will gut überlegt sein. Bei dieser ganzen Aktion wird auch erklärt, wie es zu dem Namen des Buches kam, dass ich hier aber nicht verraten werde. Eine sehr schöne junge Frau sticht im dabei ins Auge und nachdem er ein paar Wochen hin und her laviert hat, beschließt er ihr einfach nur so, kurz zu schreiben. Sicherlich bekommt er keine Antwort. Natürlich bekommt er eine Antwort. Und alles hängt wie immer auch vom Zufall ab, weil antworten auf die Antwort wollte er natürlich auch nicht ….

Irgendwann trifft er draußen beim spazieren gehen seine Ex-Frau Herta. Jedenfalls nehme ich an, dass es seine Ex-Frau ist, oder zumindest Ex-Freundin, so ganz schlau bin ich aus diesem Dialog oder Gedankenaustausch nicht klar gekommen. Jedenfalls trifft er sie wieder und die beiden kommen sich ruck-zuck näher, vor allem, da Herta, zwangspensionierte Lehrerin, sich anscheinend komplett geändert hat. Er zieht halbwegs wieder zu ihr, weil es bei ihr so viel gemütlicher ist.

Dann kommt eine Nachricht von Nadeshda über die Partnervermittlung, die Brenner nach Russland einlädt. In dieser Zeit ist Herta zufälligerweise gerade in Marokko, Wanderurlaub und so. Natürlich will Brenner nicht zu Nadeshda hinfahren und ehe er es sich versieht, wird er am Moskauer Bahnhof von einer Kinderbande überfallen. Endlich bei Nadeshda angekommen, kommt es anders als von Brenner erwartet oder geplant, und ehe er es sich wieder versieht, ist er schon wieder auf der Rückreise mit dem Versprechen im Gepäck, Nadeshdas Schwester zu suchen, Stichwort Frauentränen-Nichtumfaller.

Herta und Brenner sind wieder zu Hause, und beide gestehen Fehltritte, obwohl Brenner sich im Prinzip nichts außer der Reise vorzuwerfen hat. Bei Herta ist es ähnlich, sie hat sich in Murat verliebt, einen der Wanderführer und ist darüber mit ihrer Freundin in einen Streit verfallen.

Herta, ganz esoterisch, bittet Brenner auf die Suche nach Nadeshdas Schwester zu gehen, da sich anscheinend sonst niemand darum kümmert. Er schaltet darauf eine Zeitungsannonce, und während er nebenbei Nachforschungen anstellt, trifft er auf zwei Männer, die er vielleicht besser nicht getroffen hätte: Den Chefredakteur (Rotlicht-Philosoph) und einzigen Mitarbeiter der Internetzeitung und auf einen Tätowierer. Denn beiden werden ein paar Tage später die Hände abgehackt.

 

Zitat Seite 46: „Aber vielleicht solltest du mal reden mit dem?“, hat die Herta genau das falsche gesagt. „Vielleicht weiß er was.“

„Was soll der wissen?“

„Wie du die Serafima finden könntest.“

Dieser Ratschlag einer Ahnungslosen hat ihn so aufgeregt, dass er aufs Klo gegangen ist, Zeitung lesen.

 

 Zitat Seite 53: Geärgert hat ihn, dass der Arzt gesagt hat, dieses Surren haben viele Leute, weil Volkskrankheit, und da gibt es zwei Möglichkeiten, entweder Tumor oder psychisch. Das musst du dir einmal vorstellen, der hat nicht einmal gefragt, ob der Brenner vielleicht vor kurzen in Russland zusammengeschlagen worden ist!

Nadeshda ist in Wien! Sie hat mir Herta telefoniert und diese drängt Brenner auf ein Treffen in einem Wiener Kaffeehaus. Dieses Treffen ist auch „typisch Frau“, ich habe mich köstlich amüsiert. Herta bietet Nadeshda ihre Wohnung an, sie hat nämlich einen schmananischen Wanderurlaub in der Mongolei gebucht.

In dieser Nacht, in der Nadeshda das erste mal bei Herta schläft und Brenner zurück in seine ungemütliche Wohnung muss, werden dem Rotlicht-Philosoph und dem Tätowierer die Hände abgehackt. Beide werden im Krankenhaus notoperiert, und OP-Schwester ist Hertas Freundin Anna-Elisabeth. Ein Glück und ein Segen. Ein ganzes durchaus interessantes Kapitel berichtet nun von Anna-Elisabeths Gedankenwelt und dank ihr wird eine schwerwiegende Verwechslung verhindert.

Brenner geht durch den Kopf, dass er vielleicht der nächste ohne Hände ist, da er mit beiden Männern zuletzt gesprochen hat.

Alles kommt erst richtig in Schwung, als Herta von Brenner fordert, dass dieser Nadeshda heiraten soll, damit diese in Wien bleiben kann und nicht nach Russland zurückmuss. Eine Scheinehe. Brenner fügt sich und ehe Herta in die Mongolei fliegt, ist er platonisch verheiratet.

Brenner sucht nach neuen Hinweisen, doch der Rotlicht-Philosoph überlebt die OP nicht. Auf der Beerdigung wird Brenner in ein schwarzes Fahrzeug gezerrt und an einen geheimen Ort gebracht. Dort „unterhält“ sich der aktuelle Rotlichtkönig Wu Tan mit ihm.

Brenner fischt dann weiter im Trüben umher, die Polizei verdächtigt in pro-forma die beiden bestialischen Verbrechen begangen zu haben und wollen ihn schließlich als Spitzel einsetzen. Sie haben ein geeignetes Druckmittel – Nadeshda und Brenners Kampf mit der Fremdenpolizei wegen der angeblichen Scheinehe..

Brenner besucht den überlebenden Tätowierer mit den angenähten Händen im Krankenhaus, er erhofft sich eine weitere Eingebung, als der Bettlägerige nicht mit der Sprache rausrücken will, wer ihm die Hand abgehackt hat. Brenner lässt nicht locker, und die beiden freunden sich etwas an.

Es gibt eine mehr oder weniger überraschende Wendung zum Thema Nadeshda‘s Schwester.

Während dessen wird Herta in der Mongolei entführt und nach monatelangen Verhandlungen und schamanischen Eingebungen auf Hertas Seite soll Brenner die Lösegeldübergabe übernehmen. Brenner fährt in die Mongolei und .. Ende gut, alles gut?

Selber lesen!

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3 Kommentare zu “Haas, Wolf – Brennerova

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