Monferat, Benjamin – Welt in Flammen

Monferat, Benjamin Welt in Flammen 978-3-499-26843-4 rororo

Monferat, Benjamin
Welt in Flammen
978-3-499-26843-4
rororo

Inhalt:

Der Himmel im Osten war flüssiges Feuer.
Mai 1940: Während die Deutschen Frankreich besetzen, bricht der Simplon Orient Express zu seiner letzten Reise auf. Eine schicksalhafte Gesellschaft, jeder der Gäste mit einem anderen Grund, diese Fahrt unter allen Umständen anzutreten. Ebenfalls an Bord – Agenten aller kriegführenden Mächte. Was niemand von ihnen ahnt: Im Zug befindet sich etwas, nach dem Hitler in ganz Europa suchen lässt. Die Fahrt steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Jeder

Grenzübertritt kann das Ende bedeuten. Schließlich bricht Feuer aus. Und während Europa in Dunkelheit versinkt, rast der Express als lodernde Fackel durch die Nacht …

Meine Meinung:

Als ich das Cover von diesem Buch sah, kam mir als erstes der Gedanke „Steampunk“. Dieses Genre ist allgemein nicht so bekannt, und nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich sagen, es passt auch nicht zu dieser Geschichte. Das Cover hat mich irgendwie magisch angezogen, aber bei der Inhaltsangabe war ich mir unsicher. Auch die 784 Seiten schreckten mich zunächst ab. Dennoch ging mir das Buch nicht aus dem Kopf.

Also was tun? Am besten lesen, dachte ich mir!

Das Buch ist eine Wucht! Ich wurde fast von Anfang an in die Geschichte hineingezogen, und konnte mich ihr nicht mehr entziehen. Fast eine Woche lang fieberte ich jeden Tag dem Abend entgegen, um endlich  weiterlesen zu können. Absolut faszinierend wie es dem Autor gelang, so viele Protagonisten und Themen in dieser einen Zugfahrt unterzubringen. Wie auf einer Bühne nehmen in den einzelnen Abteilungen, die Ereignisse aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihren Lauf. Die Strecke des Zuges ist praktischerweise auf den Buchinnenseiten abgebildet, ich mag sowas sehr. Die Aufteilung des Zuges in die drei Wagen und in die verschiedenen Abteile mit den dazugehörenden Personen am Schluss des Buches entdeckte ich erst, als ich am Ende ankam. Es geht auch gut ohne diese Skizze. Die Charaktere waren für mich so gut dargestellt, dass ich für jeden ein Bild im Kopf hatte. Boris z.B. erinnerte mich ein wenig an James Bond in jüngeren Tagen.

Dennoch fiel mir der Anfang etwas schwer, da ich noch so rein gar nichts wusste und die Charaktere erst mal kennenlernen wollte. Aber mit jedem Kapitel wurde ich tiefer in die Geschichte involviert. Am liebsten hätte ich das Buch in einem Rutsch gelesen, so spannend war es.

Jedes Kapitel hat eine ausführliche Überschrift, bestehend aus Ort, Datum, Zugwagen, Abteil. Sie zum Beispiel:

 

Seite 57:              Zwischen Paris und Vallorbe – 26. Mai 1940, 00:24 Uhr

                               CIWL WL 3425 (hintere Schlafwagen), Kabinengang

 

Seite 200:            Zwischen Domodossola und Mailan – 26. Mai 1940, 11:03 Uhr

                               CIWL Lx 3509 (Vordere Schlafwagen), Abteil 9

 

Diese Überschriften bieten eine Orientierung, dennoch waren mir diese nicht so wichtig, man kann sich auch ohne diese gut vorstellen, wo sich die Reisenden gerade aufhalten. Nebenbei und trotzdem ausführlich werden die luxuriösen Kabinen beschrieben und auch die Städte und Landschaften die der Zug passiert. Überhaupt, der Zug, der Simplon-Orient-Express spielt die Hauptrolle, ist die Bühne für alle Geschehnisse, auf dem so nach und nach alle Protagonisten vorgestellt werden. Ich persönlich würde empfehlen, große Teile der Geschichte an einem Stück zu lesen, da man so am besten in diese Welt abtauchen kann.

Dieser Zug transportierte geballte Persönlichkeiten auf engsten Raum, Geheimnisse, Geschehnisse große Gefühle und auch ohnmächtige Wut. Die Geschichte handelt von so Vielem, von Macht, von Agenten, Spionen, Königen, Zaren, Juden, Widerstandskämpfern, einer Bombe, Geheimnachrichten, Soldaten, Liebenden, ja sogar die Zugangestellten sind mit von der Partie. Ich kann dies hier gar nicht alles beschreiben, weil ich gar nicht wüsste, wo ich anfangen sollte. Mein Kopf ist noch voll von diesen Personen, die Geschichte ist nachhaltig, geisterte noch ein paar Tage in meinem Kopf herum.

Der Zug, die letzte Flucht aus einem Europa, dass es wegen des Krieges so nicht mehr geben wird. Jeder der Reisenden verfolgt eigene Interessen, und bei manch einem gibt es eine Überraschung zu welcher Gesinnung er letztendlich neigt. Dies alles entfaltet sich während der Zugreise und man ahnt, die Geschichte steuert auf einen Höhepunkt zu. Dazu tragen die Bombe und das agieren einzelner Reisende und auch die kurzen Kapitel an den Kriegsschauplätzen bei.

Ich könnte mir gut vorstellen dass die Geschichte verfilmt werden könnte, dennoch bin ich mir nicht sicher, ob das letztendlich so gut wäre. Denn dieses Buch in 90 Minuten Film zu packen, das ist nicht möglich oder würde nur an der Oberfläche kratzen, und das wäre schade.

Fazit:

Das Buch ist ein absoluter Schmöker und zog mich schnell in seinen Bann. Ich würde den Lesern dennoch raten, sich Zeit zu nehmen. Es ist kein Buch, das man mal eben schnell überfliegen kann, dafür gibt es zu viele Protagonisten, Geschehnisse und Länder durch die der Zug fährt. Ich würde empfehlen, die Geschichte immer in größeren Stücken auf einen Schlag zu lesen. Beim Lesen musste ich an Dan Brown, Hercule Poirot und James Bond denken, eine rasante Mischung aus allen. Der Leser kann fiktive Aspekte aus dem zweiten Weltkrieg, vom Orient-Express und aus den Städten erfahren, an denen der Zug anhält. Trotz der vielen Protagonisten waren alle so gut beschrieben, dass ich sie mir bildlich im Kopf vorstellen konnte.

Lieblingsbuch!

Weitere Infos und Interessantes zum Buch über die Passagiere, die Reiseroute, den Orientexpress und zum Autor auf dieser wunderbaren Internetseite:

http://www.welt-in-flammen.de/

 

 

Ausführlicher Inhalt:

***Vorsicht Spoiler***

 

Also, mit dem ausführlichen Inhalt dieser Geschichte tue ich mich wirklich schwer. Egal was ich hier als Zusammenfassung schreiben werde, es kommt natürlich nicht an das Buch heran. Deswegen würde ich allen die ein Interesse daran haben, wirklich empfehlen, hier nicht weiterzulesen, sondern einfach das Buch zu beginnen. Es gibt so viele Personen, so viele mir wichtig erscheinende Einzelheiten, dass ich genauso gut das ganze Buch wieder aufschreiben könnte. Es sind die vielen Zwischentöne, die ich schlecht in Worte fassen kann, die man aber einfach gelesen haben muss. Das Buch bietet eine solche Fülle an menschlichen Tragödien, ein Emotionen, an Handlungen und Geschehnissen, dass es mir fast unmöglich scheint, hier eine ausführliche Inhaltsangabe zu machen.

Ich versuche jetzt einfach mal den Anfang zu machen, an dem ich mir etwas die Zähne ausgebissen habe: Eine Tasche, viele Andeutungen, Heimlichkeiten, Verstecke. Etwas wird heimlich im Zugwagen No. 2419 D versteckt. Der Leser erfährt nicht, was es ist und ich rätselte einige Zeit zwischen wichtigen Papieren oder einer Bombe. Der Mann, der diese Tasche mit unbekanntem Inhalt im Zug versteckte, wird vom Wachdienst niedergeschossen. Nur der Leser weiß, dass er sich opferte, um nicht lebend gefangen zu werden. Des Weiteren wird ein Geheimnis um den Wagen 2419 D   gemacht, Thuillet (Vertreter der Eisenbahngesellschaft) und Lieutenant-colonell Lourdon und seine Mitarbeiter Maledou und Guescard sind darin verwickelt. Ich gestehe, ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts vom „Wagen von Compiegne“ gehört, den es in echt gab und der hier ein wichtiges Teil in der fiktiven Geschichte spielte.

So nach und nach werden nun die einzelnen Personen vorgestellt:

 

Eva Heilmann: 20 Jahre, dunkles Haar, gutaussehend, Jüdin aus Deutschland, ist die Geliebte von im Pariser Exil lebenden König Carol von Carpathien, wird von diesem verlassen, sie folgt ihm bis zum Zug, bis in den Orient-Express,

 

Carol von Carpathien: im Pariser Exil lebender König von Carpathien, erhofft sich durch eine Heirat und die damit verbundene finanzielle Finanzspritze wieder seine Position im Heimatland einnehmen zu können, hat eine Vorliebe für junge Frauen,

 

Ingolf Helmbrecht: Nickelbrille, verletzt, nennt sich Ludvig, ein junger Widerstandkämpfer, ein Student der Handschriften-Kunde (Paläographie), ein Anfänger, trifft auf dem Bahnhof auf Eva Heilmann und beschließt spontan, sie mitzunehmen, da er noch einen Platz im Zug frei hat.

 

Romanows: Zarenfamilie aus Sankt Petersburg bestehend aus Großfürst Constantin und seine Ehefrau Katharina, Sohn Alexij (23), Töchter Xenia (15) und Elena (4-6?). Lebten einige Jahre in Paris im Exil.

 

Paul Richard: Selfmade Ölmilliardär aus Texas, mit seiner schwangeren dritten Frau Vera

 

Lieutnant-colonel Lourdon: französischer Geheimdienst

 

Gaston Thuillet: Vertreter der Eisenbahngesellschaft, Chef im Orient Express,

 

Boris Petrowitsch Kadynow: Geheimdienst Sowjetunion, hat einen bestimmten Auftrag im Zug zu erfüllen, doch es wird alles ganz anders kommen …

 

Alexej Romanov: Sohn von Katharina und Constantin Romanow, befindet sich in einer Identitätskrise

 

Xenia Romanov: Tochter von Katharina und Constantin Romanow, wurde in Paris groß, freundet sich langsam mit dem Kabinensteward Raoul an,

 

Betty Marshall: Amerikanische Schauspielerin,

 

Raoul: Kabinen-Steward, jung, Franzose, 17 Jahre,

 

Fitz Edward: Britisch aussehender Reisender oder steckt noch mehr dahinter?

 

Eva Heilmann wird scheinbar ohne Worte von König Carol verlassen. Sie rennt zur Carpatischen Botschaft und findet heraus, dass er Paris noch am selben Abend mit dem Orient-Express verlassen wird. Sie rennt weiter zum Bahnhof, findet den Zug, wird aber nicht eingelassen, da sie kein Billet hat. Ludvig Mueller, alias Ingolf Helmbrecht, benötigt dringend eine weitere Person, da er ein Doppel-Billet hat. So genau habe ich das nicht verstanden, denn wäre es eigentlich nicht egal, dass man alleine anreist, obwohl noch eine weitere Person gebucht hat? Hätte er nicht einfach sagen können, seine zweite Person wäre krank gewesen? Egal wie, Ingolf/Ludvig machte sich um dieses Problem große Sorgen, und als er die Aufregung um Eva Heilmann mitbekam, fasste er den schnellen Beschluss, sie als zweite Person mitzunehmen, wenn sie mitspielt. Ihm gelingt es in einer spontanen Geste sie als vermisste Verlobte auszugeben und ihr zuzuflüstern, dass wenn sie in den Zug wollte, sollte sie mitspielen. Eva Heilmann spielte mit.

Die Zarenfamilie Romanow geht an „Bord“. Sie nimmt den letzten Zug aus Paris, bevor dieses von den Deutschen eingenommen wird.

Paul Richard und Vera, der Texas-Ölmilliardär, befinden sich auf Hochzeitsreise. Paul Richard war mir sehr sympathisch und erinnerte mich ein wenig an Hercule Poirot, jedenfalls als er zu ermitteln beginnt.

Lieutnant-colonel Lourdon und seine Mitarbeiter sind für den Zugwagen CIWL 2419D, den „Wagen von Compiegne“ verantwortlich. Er ahnt schon, dass diese Mission keinen Erfolg haben wird, weil ihnen die Geheimdienste ganz Europas auf den Spuren sind.

Gaston Thuillet, auch Chef im Orient Express, ist dagegen, dass dieser besondere Zugwagen („Wagen von Compiegne“) an den Orientpress angehängt wird, er macht sich große Sorgen, hat Angst, ist sehr nervös, auch wenn der Wagen notdürftig „getarnt“ wurde. Immerhin durchquert der Zug verschiedene Länder in Europa und gerade zu Kriegszeiten weiß keiner mehr so richtig, welches Land gerade mit wem sympathisiert.

Boris Petrowitsch Kadynow soll im Zug eine geheime Übergabe verhindern. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob er von Anfang an wusste, dass es sich um Diamanten handelt. Jedenfalls kommt alles so ganz anders, als er erwartet hat und er muss viel improvisieren. Er erinnerte mich stellenweise an James Bond. Er gewinnt das Vertrauen von Alexej Romanov

Alexej Romanov wurde überwiegend im kulturell-geprägten Paris groß, er genoss viele Freiheiten und sieht diese jetzt auf der Flucht von seinem Vater beschnitten. Er versucht sich gegen ihn aufzulehnen und spielt damit Boris genau in die Hände.

Betty Marshall reist aus einem bestimmten Grund nach Istanbul. Unterwegs nimmt ihr Leben eine andere Richtung als geplant. Zunächst hilft sie Eva Heilmann, die in ihrem zerlumpten Kleid in der Schweiz an der Zollabfertigung steht und demütig ihren jüdischen Pass vorzeigen muss. Betty schenkt ihr ein Kleid und andere Utensilien, da Eva auf ihrer überstürzten und ungeplanten Abreise nichts anderes dabei hatte. Auch Ingolf/Ludvig ist nervös, ob die schweizerischen Zöllner seine gefälschten Ausweispapiere akzeptieren.

Raoul ist stolz, im Orient Express zu arbeiten, keiner aus seiner Familie hat es soweit geschafft. Alle leben in Armut.

Fitz Edward steigt in Lausanne dazu, fuchsroter Schnurrbart, Brille, er sieht aus wie ein britischer Gentleman und erzählt gerne Anekdoten aus seiner Vergangenheit. Mir kommt er immer vergnügt daher, und später wird sich herausstellen, dass er mehr ist, als er darzustellen scheint.

Alle diese Personen und noch mehr sind im Orientexpress unterwegs. Jeder von ihnen einen Grund und Geheimnisse, ausgerechnet im Orient Express unterwegs zu sein. Manchmal blitzt ein kleiner Happen davon hervor und machte mich als Leser neugierig. Was war mit der Bombe? War es eine Bombe? Wenn endlich gelingt es Eva, zu König Carol vorzudringen und ihn zur Rede zu stellen?

Eva versucht zu König Carol zu gelangen. Dabei lauscht sie zufälligerweise einem Gespräch, wonach Carol mit den Deutschen zusammenarbeiten und die Juden in Carpathien vertreiben will, wenn er König wird. Außerdem wäre seine „Braut“ an Bord, er gedenkt zu heiraten. Eva ist geschockt, und will es dennoch nicht glauben, ohne ihn gesprochen zu haben.

Boris soll einen Auftrag ausführen. Er beobachtet während eines Haltes in Brig, wie eine Frau einsteigt, die nicht zu den Passagieren des Orient-Express gehört. Er folgt ihr, am Tisch der Romanows stolpert sie, und Boris flucht, da nun eine Übergabe stattgefunden hat und er sie nicht verhindern konnte. Er folgt der Frau, will wissen, was genau sie getan hat. Die Frau wehrt sich, ist hartnäckig, verletzt Boris schwer und dieser tötet sie in Notwehr in einer Toilette. Das WC ist von oben bis unten voller Blut, er hat keine Ahnung wie er es erklären soll, als plötzlich Alexej an die Tür klopft. Boris macht ihn zu seinem Komplizen, und im Simplon Tunnel werfen sie die Leiche aus dem Wagen. Alexej ist es schlecht. Dennoch, wie das viele Blut erklären? Boris schlägt Alexej nieder und legt ihn in die Toilette. Dort wird er gefunden und da er eine schlimme Platzwunde hat, ist auch die Sache mit dem Blut geklärt. Alexej behauptet, im WC gestürzt zu sein.

Betty Marshall kümmert sich um seine Verletzungen, während Richard, dem Ölmilliardär Zweifel kommen. Kann so viel Blut aus einer Platzwunde stammen? Er hat außerdem die Frau gesehen, die nicht zum Orient-Express gehört hat, und hat sie nicht wieder aussteigen gesehen. Er beginnt Nachforschungen zu betreiben, erinnert mich dabei an Hercule Poirot, befragt auch Betty Marshall, der dies auch verdächtig vorkommt. Außerdem verhält sich neuerdings Vera, die Frau von Richards seltsam, sie ist oft müde und bleibt in der Kabine. Dann im nächsten Moment wieder total aufgedreht. Währenddessen versucht Richards das Puzzle um die verschwundene Frau zu lösen. Dann jedoch Geschehen andere Ereignisse und das ganze gerät so ein wenig in Vergessenheit.

Ein Freundschaft und eine Verliebtheit zwischen Xenia Romanow und Raoul, dem Kabinensteward, bahnt sich an. Der Leser weiß nicht, ob das gut gehen wird, zu unterschiedlich sind die beiden. Xenia bittet Raoul, ihr zu helfen, abzuhauen, seit sie das mit der Hochzeit weiß. Sie soll König Carol von Carpathien heiraten, will es aber nicht.

In Mailand steigt der Geistliche de la Rosa zu, auf den Ingolf/Ludvig gewartet hat. Er soll diesen auf die Seite des Widerstandes ziehen.

Betty Marshall, die im Krieg Wunden versorgt hat, versorgt die Wunden von Alexej, Carol und Ingolf/Ludvig.

Auf Burg Bran in Kronstadt, dem Regierungssitz von Carpathien, findet ein Doppel-Putsch statt. Die Deutschen sind am Schluss die lachenden Gewinner. Und Königs Carol hat nichts Gutes zu erwarten.

Eva gelingt es, mit Carol zu sprechen, dieser ist entsetzt, als er Evas Geschichte hört, denn er hatte Eva einen Brief, Geld und ein Ticket geschickt, so dass sie aus Paris hätte flüchten können, dieser Brief ist aber nie bei ihr angekommen und sie vermuten, dass sich der Chauffeur damit abgesetzt hat.

Eva verliebt sich in Ludvig/Ingolf, ertappt ihn aber in einer vermeintlich intimen Situation mit Betty Marshall. Sie fühlt sich plötzlich im Angesicht der ganzen Ereignisse erschöpft und fragt sich, was sie überhaupt noch in diesem Zug soll. In Posthumia will sie den Zug für immer verlassen und sich ihren eigenen Weg suchen. Sie zieht ihr altes Kleid an und geht. In der Stadt wird sie von einer Gruppe junger aufdringlicher Männer verfolgt, die sie in einer dunklen Gasse überwältigen. In letzter Sekunde kann sie zufälligerweise Carol retten.

Eine Leidenschaft ganz anderer Art erleben die kalte und hochnäsige Katharina Romanow und der sowjetische Agent Boris. So ganz und gar unglaublich, aber durchaus plausibel erzählt.

Mittlerweile haben auch mehrere Personen das Versteck der Bombe, oder der Papiere, so ganz klar ist das immer noch nicht, unwissentlich berührt. Der Spalt fällt auf, einmal fällt die Verkleidung runter, aber keiner kommt auf die Idee, dass es ein Versteck sein könnte. Das ist schon sehr filmreif umgesetzt. So nah an der der Gefahr, und dennoch so unwissend.

Die Geschichte spielt nicht nur im Orientexpress, zwischendurch gibt es kleine Ausflüge zu Verschwörern aus aller Länder: Widerstand in Breslau/Schlesien, Widerstand in der Picardie, der Umsturz auf Burg Bran und die Verschwörer in Zossen.

Dann passiert unglaubliches, dass ich als Leser nicht vorhergesehen habe: Vera, die Frau von Richards will während eines gemeinsamen Abendessens König Carol töten. Betty Marshall gelingt es reflexartig, dies zu verhindern. Es stellt sich später heraus, Vera ist im Auftrag der Deutschen gewesen. Richards ist ab diesem Zeitpunkt ein gebrochener Mann, der bis zum Schluss nicht mehr richtig auf die Beine kommen wird. Nur noch ein einziges Mal, er wird allen Passagieren des Orient Express das Leben retten. Er selber hat nichts mehr zu verlieren.

Es geht Schlag auf Schlag weiter.

Ludvig/Ingolf gelingt es, de la Rosa auf seine Seite zu ziehen. Alexej findet homosexuelle Fotos im Stiefel seines Vaters Constantin. Er kann es kaum glauben. Ich hatte sogar noch den Kabinensteward Georges diesbezüglich im Verdacht, aber dazu gab es keine Andeutungen. Katharina Romanov beginnt wider besseren Verstandes ein Verhältnis mit Boris, sie zweifelt an ihrem ganzen Leben. Xenia will mit Raoul abhauen, zu Verwandten auf die Insel Santorin. Raoul hat mit Betty Marschall über Amerika gesprochen. Fitz Edvards beobachtet im Dunkeln die Ustacha, Eva zählt eins und eins zusammen, sie geben zusammen Leuchtzeichen. Dennoch fragt sich Eva „Wer ist Fitz Edvards?“. Betty Marshall beginnt ein Verhältnis mit König Carol.

In Nis wird der Zug angegriffen, und Xenia und Raoul auf der Flucht von diesen Angreifern entführt. Großfürst Constantin wird verletzt, Ludvig/Ingolf ebenfalls, einige Personen sterben bei dem Angriff. Mit viel Glück gelingt es dem Zug, wieder Fahrt aufzunehmen. König Carol fühlt sich in der Verpflichtung, Xenia zu retten und Betty möchte für Raoul einstehen. Sie folgen den Rebellen.

Boris sucht weiterhin mit großer Verzweiflung nach den Steinen, den 14 riesigen Brillanten eines Colliers von ungeheurem Wert, die König Carol dazu verwenden wollte, sein Königreich neu aufzustellen. Die König Carol als Hochzeitsgeschenk von der Familie Romanow erhalten sollte.

Eva und Fitz Edwards stellen fest, dass sie auf einer Seite stehen, Eva vertraut sich Fitz Edvards an, da sie ein codiertes Schreiben gefunden hat. Mit Hilfe einer Vignere-Tafel gelingt es, Eva, Fitz Edvarts, Ludvig/Ingolf und de la Rosa das Schreiben zu entziffern. Dennoch – es ist zu spät!

König Carol und Betty Marshall gelingt es in einer großartigen Szene Xenia und Raoul den Entführern zu entreißen. Sie müssen aber unterwegs sich trennen. Xenia reitet mit Raoul weiter, und Carol mit Betty und Fürst Bela. Fürst Bela war von Anfang an dabei, man hat ihn als Leser aber kaum, oder eher als Unsympathen im Hintergrund gesehen. Als die drei alleine in den Bergen sind, Rast machen, will Fürst Bela Carlo erschießen. Betty wirft sich dazwischen.

Im Zug geht es nicht weniger dramatisch zu: Die Deutschen stürmen mit einer Sondereinheit den Zug und nehmen die französischen Geheimdienstler gefangen. Im Gerangel darum explodiert die Bombe. Der Zug brennt. Die Bremsen blockieren. Der Zug wird immer schneller. Richards versucht die Lokomotive zu erreichen, erleidet schwere Verbrennung, seine Haut ist verbrannt, ein Auge ebenfalls, er ist eher tot als lebendig. Eine Abkopplung erscheint unmöglich, dennoch gelingt es dem Schwerverletzten, mit einer Eisensäge die Kupplung mit einer Kerbe zum Bruch zu bringen. Die Wagen koppeln ab, werden langsamer.

Boris, der weiter auf der Suche nach den Diamanten war, dreht durch und bedroht den Verletzten und noch nicht wirklich bei Sinnen gewesenen Großfürsten Constantin, ihm das Versteck zu verraten. Als er die Pistole auf Katharinas Tochter Elana hält, erschießt Katharina ihn. Die Leiche verstecken sie ihm Moor, als die Zugwagen nach der Abkopplung zum stehen kommen.

 

Richards ist tot.

Boris ist tot.

Lourdon und Maledoux sind tot.

 

Ein Happy scheint es nur für Xenia und Raoul zu geben, denn sie finden die Diamanten. Ihr Ziel ist nun Amerika.

Am Schluss, als alle in Istanbul eintreffen, geht Katharina in eine Kirche zum beichten. Sie vermisst ihre Halskette mit dem Kreuz, die sie nach der überstürzten Abreise aus dem demolierten Zug zurücklassen musste. Während des Betens bemerkt sie eine Gestalt, der sie aber keine Beachtung schenkt. Die Gestalt entfernt sich, und als sie gehen will, stellt sie fest, dass dort ihre Halskette lag. Sie rennt nach draußen, kann ihn aber nirgends entdecken. Boris. Hat er überlebt? Wer sonst könnte die Kette gebracht haben? Schade, der Leser wird es nie erfahren.

Es gab in jedem Land, durch das der Zug fuhr, Verräter, Widerstandkämpfer, Republikaner, Separatisten, Verräter, überall bilden sich kleine Einheiten mit anderen Zielen – da konnte man wirklich den Überblick verlieren. Das Buch bietet eine wahre Fülle an Geschichten.

 

Advertisements

3 Kommentare zu “Monferat, Benjamin – Welt in Flammen

  1. Pingback: Monferat, Benjamin – Der Turm der Welt | buecherfuellhorn

  2. Pingback: Bloggertreffen mit Benjamin Monferat (Frankfurter Buchmesse 2016) | buecherfuellhorn

  3. Pingback: Meine „Besten Bücher aus 2016“ | buecherfuellhorn

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s