Gruen, Sara – Die Frau am See

Gruen, Sara Die Frau am See 978-3-463-40660-2 Kindler

Gruen, Sara
Die Frau am See
978-3-463-40660-2
Kindler

Inhalt:

Erfolgsautorin Sara Gruen («Wasser für die Elefanten») legt mit ihrem neuen New-York-Times-Bestseller eine fesselnde und ergreifende Geschichte in einem abgelegenen Dorf in den schottischen Highlands vor. «Eine bewegende Liebesgeschichte: ein schottisches Downton Abbey», urteilt Publishers Weekly.
Im Januar 1945 reist die wohlhabende Maddie zusammen mit ihrem Ehemann Ellis und dessen bestem Freund in ein abgelegenes Dorf in den schottischen Highlands. Der exzentrische Ellis will die Existenz der sagenumwobenen Nessie beweisen,

Krieg hin oder her. Ausgestattet mit Fernglas, Kompass und Kamera begeben sich die beiden Männer Tag für Tag auf Exkursion. Maddie bleibt allein zurück in der kargen Pension dieses fremden Ortes. Immer stärker stellt sie ihr bisheriges Leben in Frage. Wer ist sie, und was will sie? Da lernt sie die Menschen der Pension kennen, zwei Mägde und den geheimnisvollen Pensionsbesitzer Angus. Und plötzlich weitet sich ihr Blick für überraschende Möglichkeiten des Lebens …
Geballte Erzählkraft vor der atmosphärischen Kulisse von Loch Ness: eine packende Liebesgeschichte, ein mitreißendes Porträt weiblicher Emanzipation, eine Hymne auf die Kraft der Freundschaft. (Quelle Kindler Verlag)

Meine Meinung:

Dieses Buch wurde auf dem Glühwein-Bücher-Abend 2015 der Stadtbücherei Simmern vorgestellt. Das Cover, der Titel und das versprochene Setting rund um Loch Ness machten mich neugierig.

Der Prolog versprach eine spannende Geschichte und zog mich gleich in den Bann. Aber schon nach ein paar Seiten vermasselten die mir sehr unsympathischen Hauptprotagonisten Maddie, ihr Ehemann Ellis und der treue Freund Hank fast die Lesefreude. Sie führen ein nachlässiges unbeschwertes Leben, und haben in meinen Augen einen fast schon verdorbenen und überheblichen Charakter. Nein, das wollte ich nicht lesen. Keiner von den Dreien war mir sympathisch. Dies änderte sich ein wenig mit der Ankunft in der Herberge am Loch Ness. Die drei aus der heilen Welt treffen auf arme, aber auf Menschen die zusammen halten. Ellis und Hank fällt dies nicht auf, sie leben ihr Leben wie bisher weiter. Maddie aber, die den ganzen Tag in der Herberge verbringt, besinnt sich und kam mir dadurch ein wenig näher, auch wenn ihr altes Leben und Verhalten in einigen wenigen Momenten durchschien, so z.B. als sie ihren Vater bittet, ihr doch mal eben so ein Flugzeug aus Amerika zum abholen zu schicken, das dürfte ja selbst in Kriegszeiten kein Problem sein …

Nicht so ganz nachvollziehbar war für mich das Verhalten der Angestellten in der Herberge, die anscheinend in Maddie „mehr“ sahen, als eine verzogene reiche und unsensible Amerikanerin. Maddie hatte wirklich Glück, auf solche freundliche und großzügige Menschen zu treffen. Und so nimmt das Buch in der Mitte eine andere Wendung, als Maddie beginnt, in der Herberge zu helfen, wo sie nur kann. Mit dieser Wendung stellt Maddie ihr ganzes Leben, auch ihre Ehe in Frage. Dennoch ist sie in ihrer Zeit gefangen, eine Scheidung wäre sehr ungewöhnlich und moralisch fragwürdig. So laviert sie hin und her gerissen durch die vielen Wochen, in denen ihr Ehemann und der beste Freund Hank das Monster von Loch Ness suchen.

Eine zarte Liebe spinnt sich zwischen dem Wirt Angus, einem ehemaligen Capt. einer Sondereinheit des Heeres, und Maddie. Ganz filigran und sehr glaubwürdig geschrieben.

Dies alles zusammen führt zu einem dramatischen und heftigen Ende.

Die Geschichte spielt im Hintergrund des ärmlichen Lebens am Loch Ness und des zweiten Weltkrieges, die Menschen müssen zusammenhalten, helfen sich gegenseitig. Es gibt rationierte Lebensmittel, die Fenster müssen verdunkelt werden, Bomber fliegen über den kleinen Ort, aus Angst vor Senfgas trägt jeder eine Gasmaske mit sich.

Fazit:

Der Prolog versprach eine spannende Geschichte und zog mich gleich in den Bann. Dennoch waren die ersten 150 Seiten durch das arrogante und hochmütige Verhalten der drei Hauptprotagonisten für mich eher ungern zu lesen. Dennoch baute sich in der Geschichte ein kleiner feiner Spannungsbogen auf, der mich immer weiter lesen lies und mich mit den Menschen am nebligen Loch Ness verwob. Ich habe das Buch in einem Rutsch bis halb vier Uhr Nachts durchgelesen, die Geschichte hatte mich dann doch unwillentlich gepackt, der wunderbare Erzählton lies mich immer weiter lesen. Ich empfand die zweite Hälfte des Buches ansprechender, als die Charaktersierungen sich änderten und eindeutiger wurden; als die Geheimnisse unterschwellig waberten und alles auf einen bestimmten Punkt hinsteuerte.

Das Buch schreibt über den Niedergang einer Ehe und die Stadien, die dies beinhaltet. Von Liebe zu Ernüchterung, Besinnung, Wandlung, Ausgeliefert sein und Ausbruch.

Alles in allem ein schönes Buch zum abschalten, wunderbar erzählt, schnell und einfach zu lesen.

Dennoch hat mich das Buch nicht vollends überzeugt, ich weiß nicht so genau, wie ich es ausdrücken soll, vielleicht, dass es ein wenig nichtssagend ist. Es ist so gar nicht nachhaltig. Denn ich bin trotz des wirklich tollen und wunderbaren Schreibstils nicht sofort geneigt, direkt noch einen anderen Roman von der Autorin zu lesen.

 

Ausführlichere Inhaltsangabe: 

* * * Vorsicht Spoiler ! * * *

Der Prolog zog mich sofort in die Geschichte hinein: Schottland, 1942, ein kleiner Friedhof am See von Loch Ness, eine Verlust und eine tragische Entscheidung …

Die eigentliche Geschichte beginnt am Sylvester (Hogmanay)1944 in Philadelphia. Maddie, ihr Ehemann Ellis und der gute Freund Hank sind in Feierlaune. Wie immer. Den jungen Leuten geht es zu gut, sie sind reich, dekadent und brauchen sich um nichts Sorgen zu machen: Bis mittags schlafen, die Nachmittage „vergammeln“, dazwischen immer schon mal etwas vortrinken um in Feierlaune zu kommen. Oder schlimmsten falls, weil es schon Gewohnheit und ein Muss ist. In Europa herrscht Krieg, Ellis konnte wegen seiner Farbenblindheit und Hank wegen seiner Plattfüße nicht zum Kriegsdienst eingezogen werden. Dadurch werden sie in der feinen Gesellschaft Philadelphias etwas ausgegrenzt und misstrauisch betrachtet. Ellis Eltern empfinden dies als eine Schande für die gesamte Familie, und noch schlimmer wiegt eigentlich nur, dass Ellis die nicht standesgemäße Maddie geheiratet hat.

Maddie ist eine verzogene reiche „Göre“, die wie alle anderen in dieser Zeit und in dieser Gesellschaft nur das Vergnügen im Sinn hat. Sie wird so dargestellt, dass sie ohne Personal nicht lebensfähig ist. Der reichliche Alkoholzuspruch, die albernen Streiche, dass alles als jung und sorglos abzutun wird dem benehmen nicht gerecht. Sie wurde mir im Laufe der Geschichte nicht wirklich sympathisch. Da nützt es auch nichts, dass sie eine schreckliche Kindheit mit einer psychotischen Mutter und einem Vater der sie nicht beachtet hat, hatte. Überhaupt, mit ihrem Vater hat sie keinen Kontakt, obwohl er nur zwei Straßen weiter wohnt. Von ihrer Heirat hat sie ihn nicht informiert.

Ellis und Hank sind nicht besser, überheblich, leichtsinnig und sorglos gehen sie bisher durchs Leben. Ellis leidet aber an der Herabsetzung innerlhalb der Familie, die ihm seine Kriegsuntauglichkeit brachte. Zudem liegt auch ein Schatten auf seinem Vater, der damals am Loch Ness mit gefälschten Beweisen die Echtheit des Monsters von Loch beweisen wollte. Dieses unrühmliche Kapitel wird in den besseren Kreisen natürlich unter den Teppich gekehrt und es ist unter den Dreien mittlerweile zu einem „running gag“ geworden.

So endet das alte Jahr noch nichtsahnend humorig, aber das neue Jahr beginnt mit einem Desaster. Dies bemerken Ellis und Maddie aber erst am nächsten Tag, als sie halbwegs ausgenüchtert sind. Anscheinend wurde der interne running gag zum „Monster von Loch Ness“, so laut vorgetragen, dass einige Besucher der Party dies nicht überhören konnten. Zudem verliert Maggie das Familien-Diadem, als sie draußen im Schnee „Schnee-Engel“ machen und sich ihre Kleider ruinieren. Ellis Eltern wird das ungebührliche Benehmen brühwarm mitgeteilt.

Maddie wohnt mit Ellis bei dessen Eltern, und nachdem es einen heftigen Streit zwischen allen beteiligten gibt, müssen Maddie und Ellis ausziehen. Sie sind mehr oder weniger mittellos und ziehen zunächst mit Sack und Pack in ein Hotel. Dort wird weitergelebt wie bisher, und erst mal etwas getrunken. Der treue Freund Hank hat währenddessen nach der Sylvester-Nacht Worten Taten folgen lassen und alle seine Verbindungen spielen lassen, damit sie alle nach Schottland fahren können, um die Existenz von dem Monster von Loch zu beweisen und den guten Ruf von Ellis Vater wieder herzustellen. Dies erweist sich als gute Idee, denn jetzt hofft Ellis ebenfalls, wenn der gute Ruf wieder hergestellt wird, dass seine Familie ihn wieder aufnimmt. Also, auf geht es nach Schottland. Maddie hinterlässt wiederum ihrem Vater keine Nachrichten, von der Wendung, die ihr Leben nimmt.

Die Überfahrt mit dem Schiff in Kriegszeiten wird zu einem Desaster, das in Schottland weitergeht.

Zunächst kommen sie wie es in Kriegszeiten zu erwarten ist, in eine prekäre Lage, als ihre Flotte angegriffen wird. Ein Schiff sinkt, es gibt viele tote Soldaten und Überlebende mit sehr schweren Verbrennungen. Maddie wird das erste mal mit den Folgen des Krieges konfrontiert. Allerdings ist sie völlig benommen, sie wird schwer seekrank.

Als sie endlich ankommen, stellt sich das vermeintlich komfortable Hotel als eine kleine Herberge und Pub heraus, die aufs primitivste ausgestattet ist. Das genaue Gegenteil zu ihrem reichen und überheblichen Lebensstil in Amerika. Alle drei fallen von Anfang an unangenehm auf, sie wollen von hinten bis vorne bedient werden, andere Menschen sind für sie „Personal“ und nicht „sichtbar“. Maddie geht es die ersten zwei Wochen extrem schlecht, sie fühlt sich schwindlig und kann nichts essen, die Nachwirkungen von der Seekrankheit. Sie lässt sich von hinten bis vorne bedienen.

Nachdem die ersten Nachforschungen zu dem Monster von Loch Ness keine Ergebnisse bringen, bekommt die Ehe erste Kratzer, als sich Ellis und Hank im Alkohol verlieren und sie Maddie immer öfters in der Herberge, „vergessen“. Sie bleibt allein mit den wenigen Einheimischen in der Herberge zurück, immer die Angst im Nacken, vor die Tür gesetzt zu werden. Während Ellis und Hank besoffen am See auf das Ungeheuer lauern, Ellis zudem tablettensüchtig wird, sitzt Maggie untätig und fast schon depressiv in der Herberge. Sie windet sich in Selbstmitleid und schickt ihrem Vater eine Telegramm nach Amerika, dass er ihr ein Flugzeug zum abholen schicken soll. Sie will nie wieder auf einem Schiff fahren.

Die Ehekrise spitzt sich immer mehr zu, Maddie gehen schließlich die Augen über ihren Ehemann auf. Entsetzt über sich selber will sie nicht mehr untätig herumsitzen und beginnt den Angestellten in der Herberge zu helfen. So entwickeln sich Freundschaften im Hintergrund des zweiten Weltkrieges. Maggie lernt Kartoffeln kochen, putzen, waschen, die Fenster verdunkeln, sich im Schutzbunker zu verstecken wenn die Bomber kommen, ihre Gasmaske immer mit sich zu führen, Essensmarken, Notzeiten … Während Ellis und Hank immer unbeliebter werden, lernen die Einheimischen Maddie besser kennen. Gerade die Menschen im Pub sind ein Mikrokosmos für sich und Maddie wird schließlich aufgenommen. Mittlerweile hat Maddie eine Nachricht von ihrem Vater erhalten, der ihr gehörig den „Kopf wäscht“ angesichts solcher kopfloser Abenteuer-Aktionen wie mitten im Krieg und mitten in den Krisenzeiten in ein eben solches Gebiet zu fahren. Überhaupt, er klagt ebenso ihre nicht vorhandene Mitteilungspflicht an, schließlich hätte er ja noch nicht mal gewusst, dass sie sich überhaupt in Schottland befindet und im Angesichts eines solchen Verhältnisses müsste sie nun selber auf die Beine kommen. Ich konnte ihren Vater gut verstehen.

In der Mitte des Buches tritt dann Angus, der Wirt mehr in den Vordergrund. Er ist ein muskulöser Mann, mit vielen Narben von seiner Kriegsverletzung. Er setzt sich für die Menschen im Ort ein, redet aber nicht viel, ist eher ein Mann der Taten. Er hat ein schweres Schicksal erlitten, und Maddie findet es zufällig und aufgrund hartnäckiger Nachfragen heraus, nachdem er sie nach einer besonders schlimmen Streitszene mit Ellis getröstet hat. Sie kommen sich schließlich näher, als Ellis und Hank sie wieder mal alleine zurücklassen, Flugzeug-Bomber über den Ort fliegen und alle voller Angst im Bunker der Dinge harren, die da kommen.

Nach langen und entbehrungsreichen Wochen am Loch Ness stehen Ellis und Maddie schließlich vor den Scherben ihrer Ehe. Leider kann sich keiner von beiden eine Trennung leisten, und eine Scheidung war damals untypisch und ein gesellschaftlicher „knockout“. Als Maddies Vater plötzlich stirbt, und sie seine einzige Erbin ist, wittert Ellis seine Stunde und heckt einen abscheulichen Plan aus.

Dennoch möchte ich sagen, dass es ein Happy-End gibt.

Am meisten hat mich an diesem Buch eigentlich das Thema Schottland/Loch Ness gereizt, dies sollte sich jedoch eher als Hintergrund für eine sich anbahnende Ehetragödie dienen.

 

 

 

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