Allende, Isabel – Der japanische Liebhaber

Allende, Isabelle Der japanische Liebhaber 978-3-518-42496-4 Suhrkamp

Allende, Isabelle
Der japanische Liebhaber
978-3-518-42496-4
Suhrkamp

Inhalt:

Für Irina ist der neue Job ein Glücksfall. Die junge Frau soll für die Millionärin Alma Belasco als Assistentin arbeiten. Mit einem Schlag ist sie nicht nur ihre Geldsorgen los, sondern gewinnt auch eine Freundin, wie sie noch keine hatte: extravagant, überbordend, mitreißend und an die achtzig. Doch bald spürt sie, dass Alma verwundet ist. Eine Wunde, die nur vergessen scheint, wenn eines der edlen Kuverts im Postfach liegt. Aber wer schreibt Woche um Woche diese Liebesbriefe? Und von wem stammen all die Blumen? Auch um sich

von den eigenen Lebenssorgen abzulenken, folgt Irina den Spuren, und es beginnt eine abenteuerliche Reise bis weit in die Vergangenheit.

Meine Meinung:

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch durch den Namen der Autorin. In den letzten zwei Jahren habe ich „Amandas Suche“ und „Mayas Tagebuch“ gelesen und freute mich nun auf den japanischen Liebhaber.

Es gibt zwei Hauptprotagonisten in dieser Geschichte, Alma Belasco und Irina. Irina ist eine „billige“ Pflegekraft aus Moldawien. Sie hat eine Vergangenheit, die sie am liebsten vergessen würde und verhält sich dadurch ruhig, unauffällig und angepasst. Alma Belasco ist das genaue Gegenteil, ihre Familie ist steinreich, allerdings führen unangenehme, ja fast traumatische Rückblicke in die Vergangenheit nach Polen, wo sie geboren wurde. Zwischen diesen beiden ungleichen Frauen, Alma mittlerweile im Altersheim, Irina dort Pflegerin, entspinnt sich eine respektvolle und freundschaftlich-familiäre Beziehung.

Die Geschichte bietet zudem gleich zwei „Love-Interest‘s“: Alma und der japanische Liebhaber, und zwischen Irina und Almas Enkel Seth. Allerdings wird Seth‘s Geduld auf eine harte Probe gestellt …

Ich muss vorab sagen, dass ich dieses Buch aus zeitlichen Gründen in mehreren Etappen gelesen habe, obwohl ein feiner Spannungsbogen mich am liebsten hätte weiter lesen lassen wollen. Ich bin mir nun nicht so ganz sicher, ob es daran lag, dass ich das Gefühl hatte, im Buch würde „hin und her gesprungen“ und mit den Charakteren jongliert: Es war manchmal schon verwirrend: Mal hier, mal da, mal Gegenwart, mal Vergangenheit, mal Kalifornien, mal Boston, mal Polen, mal Japan … Und der rote Faden sollte dabei der japanische Liebhaber sein. War es aber nicht, da einfach zu viele andere Rahmenhandlungen geschahen und ablenkten. Der eigentliche Clou der Geschichte ging am Schluss fast schon unter. Es gab auch zu viele „Gutmenschen“, dass es fast schon unglaubwürdig war.

Fazit:

Isabelle Allende ist ein Garant für leichte Wohlfühl-Literatur. Eigentlich mag ich den Stil der Autorin, jedoch empfinde ich, dass sie in den letzten Jahren etwas nachgelassen hat. Obwohl die Geschichte schön geschrieben war, fiel es mir schwer, mich auf die unübersichtlichen und verschiedenen Zeit- und Ortsebenen einzustellen. Die Geschichte hat einen Hauch Magie und Poesie. Alles wendet sich nach schweren Schicksalsschlägen zum Guten. Es gibt so gut wie keine bösen Protagonisten. Nicht dass ich diese vermissen würde, aber irgendwie wurde mir das hier in diesem Buch mit den positiven Wendungen zu viel.

Nichts desto trotz lässt sich das Buch schnell und leicht sehr gut zum entspannen und ablenken lesen. Es ist aber keines ihrer „besseren“ Bücher.

 

 

Ausführliche Rezension und weitere Anmerkungen

*** VORSICHT SPOILER ***

 

Fangen wir mal den Hauptprotagonisten an:

Irina:

Sie stammt aus Moldawien, ist 23 Jahre jung und verdient sich ihr Geld mit verschiedenen Gelegenheitsjobs, bis sie schließlich in der Seniorenresidenz „Lark House“ landet. Irina ist sehr fleißig und ehrlich und ist nach kürzester Zeit bei allen Bewohnern sehr beliebt. So wird auch Alma Belasco auf sie aufmerksam.

Alma Belasco:

Eine unsentimentale, zunächst unnahbare 82 jährige ältere Dame, die durch ihren Stil eigentlich gar nicht ins Lark House passt. Sie hat ihren Lebensstil von heute auf morgen geändert, und keiner weiß warum. Sie will ohne Ballast und ohne große Umstände leben. Am Anfang der Geschichte ist so noch fit, und braucht eigentlich nur jemanden, um sie im Alltag zu unterstützen. Künstlerisch begabt entwirft sie zunächst noch hochwertige und edle Seidenschals. Sie erhält einmal in der Woche Gardenien geschickt, und keiner weiß, von wem. Alle paar Wochen kommt zudem ein mysteriöser Brief in einem gelben Umschlag.

Seth:

Ist der geliebte Enkel von Alma, der sich während der Besuche in Irina verliebt. Er ist seit Jahren dabei ein Buch über San Francisco und seine 150 Jahre alte Familie zu schreiben. Die Belasco‘s sind früher in San Francisco bekannt gewesen, es gibt eine Stiftung.

 

Die Geschichte wird aus der Perspektive von einem Erzähler und mit Briefen von Ichimei erzählt. Mich hat ein wenig gestört, dass ganz oft die Zeiten wechseln, die Orte und die Personen, über die Berichtet wird. Das ist schon etwas unübersichtlich.

Alma mag Irina und versucht sie von Anfang an zu unterstützen, bringt ihr Kultur und angemessenes Verhalten bei, damit sie später im Umgang mit der alt eingesessenen Familie Belasco geübt ist. Nicht ganz uneigennützig, denn sie bemerkt die Anziehungskraft zwischen Irina und Seth und möchte ihren Enkel in seinem Bemühungen unterstützen. Irina ist jedoch durch ihre Vergangenheit noch nicht bereit, eine Beziehung einzugehen und weist Seth jahrelang ab. Irina bemerkt, dass alle paar Wochen gelbe Briefe adressiert an Alma kommen und vermutet eine Verbindung zu dem einzigen Foto in Almas kleinem Appartement im Altersheim. Das Foto zeigt einen Japaner, Ichimei Fukuda.

Ein Rückblick erzählt, wie Alma nach Kalifornien zu den Belasco’s kam: Als Kind schickten sie ihre jüdischen Eltern noch gerade rechtzeitig mit einem Schiff zu der Verwandtschaft nach Amerika, zu den Belasco‘s in Kalifornien. Die Eltern selber bleiben in Polen und ihre Spur verliert sich im Warschauer Ghetto.

In Kalifornien leidet Alma zunächst unter der Situation, dass sie keine Eltern mehr hat, wird aber von der Familie Belasco sehr gut aufgenommen. Sie freundet sich zugleich mit dem 14-jährigen Nathaniel an, dem Erben und er wird für viele Jahre ihr Seelenbruder und Freund sein. Die beiden freunden sich außerdem mit dem Sohn des Gärtners, mit Ichimei an, und sind für lange Zeit ein Dreiergespann. Alma liebt beide, Nathaniel platonisch und Ichmei als ihre große Liebe. Nathaniel ist ein eher verschlossener Charakter, der in der Schule viel Spott und Hohn über sich ergehen lassen musste, immer als Außenseiter galt. Oft fühlte er sich unglücklich, hässlich und allein gelassen.

Zitat Seite 65: „Während Nathaniel im Fegefeuer eines Heranwachsenens schmorte, dass kein Ende zu nehmen schien …“.

1941 ändert sich dann für die Freunde beträchtliches: Der Angriff auf Pearl Harbour, die Verunglimpfung von allem Japanischen. Ichimei‘s Vater verliert seine Arbeit, seinen ganzer Besitz und sein Vermögen und die Familie wird in ein Lager deportiert, das Ganze nennt sich Evakuierung. Alle Japaner sind nun Feinde und werden als Spione gemutmaßt. Wie die Juden 1939 in Polen, dasselbe Schicksal. Die Japaner werden in verschiedene Internierungslager mitten ins Nirgendwo gebracht. Bewacht von amerikanischen Soldaten. Das Oberhaupt der Familie, Isaac Belasco versucht noch zu helfen, aber selbst er mit seinen weitreichenden Beziehungen kommt nicht weit.

Die drei Freunde werden also getrennt, Ichimei wird deportiert, Nathaniel muss auf ein Internat und Alma beschließt nach Jahren in Boston Malerei und Kunst zu studieren. Dort kann sie in der Nähe von Nathaniel sein, wird aber von ihrem tot geglaubten Bruder gefunden, der als Pilot im Krieg über Frankreich abgeschossen wurde und einen Gedächtnisverlust erlitt.

Dann gibt es wieder einen Zeitsprung in die Gegenwart, als ein Freund Alma ebenfalls ins Lark House einzieht. Irina wird damit beauftragt, Fotos und Dokumente von Alma zu sortieren. Seth und sie finden so nach und nach das Geheimnis um Alma, die Briefe und die Blumen heraus. Alma wird gebrechlicher, älter und vergesslich. Eines Tages taucht ein FBI-Agent auf und sucht nach Irina. Irina hat eine schreckliche Vergangenheit, und es dauert lange, bis sie sich jemanden anvertrauen kann. Sie ist in einer Art Zeugenschutzprogramm.

Dann wieder ein Zeitsprung in die Vergangenheit: Alma ist schwanger von Ichimei und heiratet Nathaniel, um einem Skandal zu entgehen. Nathaniel kennt die Wahrheit und erweist sich wieder einmal mehr als ein guter Freund und Seelengefährte. Alma kann es ihm später während seiner verheerenden Krankheit vergelten.

Der Schluss, das Geheimnis um den japanischen Liebhaber wird kurz auf den letzten Seiten erklärt. Das war mir zu schnell, dafür, dass er eine tragende Rolle in diesem Roman spielte.

Weiter Gedanken ohne besondere Reihenfolge:

Das Schicksal der Familie Fukuda im Internierungslager wird sehr eindrücklich geschildet. Während Ichimeis Vater verstummt, gelingt es seiner Mutter trotz aller Umstände dort, die Würde zu behalten.

Miss Brody, die damals Bücher ins Internierungslager schickte, die Ichimei las. Ichimei trifft sie nach Jahren zufällig wieder. Das ist schon zu zufällig, und man merkt, dass Isabelle Allende trotz aller Schrecklichkeiten den Protagonisten gutes tun will. Es soll doch irgendwie alles gut werden.

Almas tot geglaubter Bruder taucht thriller-artig in Boston auf und bittet Alma, die Patenschaft für seinen Sohn zu übernehmen. Der Gedächtnisverlust, alles zu viel des Guten. Dieses kurze Intermezzo war überflüssig.

Isaac Belasco, der Gutmensch schlecht hin. Ich verstand aber nicht, wieso er Alma mehr als seine zwei Töchter lieben konnte.

Lerry, hier ist alles zu viel: er hat einen Gehirntumor, wird sterben, und hatte eine gemeinsame Vergangenheit mit Nathaniel und Alma. Auch er bräuchte sich nicht im Lark House einzuquartieren.

Das Geheimnis um die Gardenien und die gelben Briefe an Alma; die Auflösung eine unerwartete Überraschung.

Es wird ein Geheimnis um FBI-Agent Wilkens gemacht, der Irina sucht.

Alles in allem passt das Sprichwort „Zu viele Köche verderben den Brei“, was hier bedeutet, es wurde zu viel Handlung unglaubwürdig in dieser Geschichte untergebracht. Dennoch ist es schönes beruhigendes Buch zum abschalten.

 

 

 

Advertisements

Ein Kommentar zu “Allende, Isabel – Der japanische Liebhaber

  1. Pingback: Estes, Kelli – Die Seideninsel | buecherfuellhorn

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s