Furtwängler, Silvia – Nordwärts

Furtwängler, Silvia Nordwärts 978-3-499-63082-8

Furtwängler, Silvia
Nordwärts
978-3-499-63082-8

Inhalt:

Die faszinierenden Abenteuer einer starken Frau, die den Mut hat, ihren Traum zu leben.
Auswandern, im Einklang mit der Natur leben, bei sich selbst ankommen – Silvia Furtwängler hat sich diesen Traum erfüllt. Auf den Spuren Roald Amundsens reiste sie 2008 nach Norwegen, in die größte Hochebene Europas, und blieb, überwältigt von der unglaublichen Schönheit der Natur. Seitdem lebt sie mit ihrer Familie und ihren Schlittenhunden in einem Häuschen am See, ist oft wochenlang

durch Schnee und Eis von der Außenwelt abgeschnitten, einsam, aber glücklich. Hier bereitete sie sich auch mit ihren Hunden auf eine außergewöhnliche Expedition vor, den Volga Quest: 600 Kilometer auf der zugefrorenen Wolga mit dem Schlitten durch Russland. Von sieben Teilnehmern ist sie die einzige Frau – und nur sie gelangt ins Ziel. (Quelle rororo Verlag)

Meine Meinung:

Auf dieses Buch wurde ich durch Zufall auf der Homepage des rororo-Verlages aufmerksam. Das Cover mit der Frau und den Schlittenhunden waren im Einklang mit dem Titel „Nordwärts – eine Frau mit 30 Huskys in der Wildnis“ und faszinierte mich sogleich.

Im Prolog erzählt Silvia Furtwängler kurz wie es dazu kam, dass sie eine kleine Expedition durch die Hardangervidda in Norwegen plante und an dem Yukon Quest-Rennen in Alaska teilnahm.

Das Buch hat sie in zwei Teile gegliedert.

Im ersten Teil schildert sie, wie ihr das Leben in Deutschland zu „klein“ wird und wie sie beschließt mit ihrer Familie in eine abgelegene Wildnis nach Norwegen auszuwandern. Und mit ihr 20 Huskys. Von dem Neuanfang, den neuen Lebensumständen dort, von ihrer „Hütte“ in der einsamen Wildnis und natürlich von ihren Hunden. Von neuen Freundschaften und Bekanntschaften, von Sitten und Gebräuchen und vom normalen Alltag.

Im zweiten Teil des Buches erzählt sie überwiegend von ihren Erfahrungen mit dem Volga Quest, ein Schlittenhunderennen in Russland.

Zwischen dem ersten und zweiten Teil gibt es einige Fotos. Ich finde, diese komplettieren das Buch auf eindrucksvolle Weise. Es sind auch persönliche Fotos von ihrem Sohn und ihren Freunden dabei.

Fazit:

Auch wenn Frau Furtwängler mir nicht so ganz sympathisch wurde, und obwohl ihr Schreib- und Sprachstil etwas holprig, abrupt und nicht immer angenehm zu lesen war, habe ich sie und ihre Erfahrungen und Erlebnisse dadurch sehr authentisch wahr genommen.

Besonders gut haben mir die Beschreibungen der eisigen winterlichen Landschaften in der Wildnis gefallen. Ganz egal, ob es während der Schlittenhunderennen, während einer Autofahrt oder gerade vor ihrer Haustür war. All diese Widrigkeiten des Wetters lassen sich besonders gut genießen, wenn man zuhause in wohliger Wärme von diesen Erfahrungen liest.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen, die andere Lebensweise, das Heraushören einer Bestimmung wie man sie vielleicht eher selten findet, eine Frau die ihren Weg geht. Man muss Abstriche bei der Erzählweise machen, aber der Inhalt wird noch eine Zeitlang nachklingen. Denn wer naturverbunden ist, wird auch immer einen kleinen Traum von einem solchen oder ähnlichen Leben in der Wildnis haben.

Ich würde mich freuen, wenn Frau Furtwängler weiterhin von ihrem Leben berichten würde.

Laut ihren Aussagen am Schluss des Buches dürfts Sie zur Zeit wohl schon in Alaska sein und für das Yukon Quest in der ersten Februar Woche trainieren. Anfang März 2016 plant sie, am Iditarod teilzunehmen. Ich drücke ihr die Daumen.

Unbedingt das kurze Autorenporträt auf der Verlagsseite lesen: http://www.rowohlt.de/autor/silvia-furtwaengler.html

 

Ausführliche Rezension:

 

***Achtung Spoiler ***

Eigentlich ging diese Frau immer Ihren Weg. Einige Jahre lebte sie mit ihrem Mann und ihrem behinderten Sohn auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald. Es passte alles irgendwann nicht mehr: die Trainingsbedingungen für die Hunde, vom Platz ganz zu schweigen, die alltägliche Zwänge in einer Dorfgemeinschaf, das „nichtverstanden-werden“ ihrer Lebensweise.

Zitat Seite 34: „Ich wurde das Gefühl nicht mehr los, dass ich hier nicht weiterkam, auch nicht mit meinen Hunden.“

Sie bekommt ein Angebot, dass eine mögliche Auswanderung möglich erscheinen lässt. Ihr Mann und Sohn kommen sie in Norwegen besuchen und plötzlich ist die Entscheidung ganz einfach. Alles passt. Im Jahr 2008 wandert sie mit ihren 11-jährigen Sohn und ihrem Mann nach Norwegen aus. Mit 20 Hunden und einem LKW machen sie sich auf den Weg, um fast vor der Fährüberfahrt noch an deutscher Bürokratie zu scheitern.

In Norwegen angekommen findet ihr Mann schnell und unkompliziert Arbeit auf einer Bohrinsel. Ihr Sohn geht in eine normale Schule, das Inklusionsthema wie in Deutschland gibt es nicht, im Gegenteil. Dort ist Inklusion fester Bestandteil des Alltags und es gibt ehrenamtliche Helfer die Kinder beim Erwerb der neuen Sprache Norwegisch helfen. Ich habe es so ähnlich aufgefasst, wie die Arbeit, die die Lesementoren in Deutschland machen.

Sie finden ein Haus in absoluter Alleinlage. Es ist nur über einen See zu erreichen. Dies bedeutet, dass Einkäufe öfters umgeladen werden müssen, vom Supermarkt ins Auto, vom Auto ins Boot, vom Boot wieder ins Haus. Dafür aber: himmlische Ruhe und Platz und Zeit für die Hunde.

Der Leser erfährt auch immer wieder wieder etwas über Hunde, ihre Erziehung, ihre Pflege und ihr Training. Berührend, als sie vom Tod ihres Huskys Minnie erzählt, ihrer „Soul-Sister“.

Sie lernt ihre weit entfernt wohnende Nachbarin kennen, die auch so ihre Eigenheiten hat, und macht mit ihr gemeinsam den Jagdschein. Einmal berichtet sie über Rentier- und Elchjagd, das Fleisch ist zur Selbstversorgung. Das Wild wird an Ort und Stelle zerlegt, und muss nun über weiter Strecken zu Fuß nach Hause getragen werden, da es gerade dort keine Autostraßen gibt.

Sie erklärt, dass sie deswegen auch immer bestimmte Medikamente zu Hause haben muss, denn bei Verletzungen und Unfällen dauert es lange, bis ein Arzt kommen kann.

Dazwischen platzt immer mal wieder ihr schlechtes Gewissen gegenüber ihren Sohn, der praktisch allein in der Wildnis groß werden muss. Nach dem Umzug in die Hütte am See muss er die Schule wechseln, in der neuen Schule gibt es Probleme und schließlich unterrichtet sie ihn bis zu einem bestimmten Zeitpunkt selber zu Hause. Als er später wieder in die Schule geht, klappt im großen und ganzen auch alles und ich habe am Schluss des Buches auch des Gefühl gehabt, die komplette Familie ist in Norwegen „angekommen“.

Zwischendurch erzählt sie von ihrer Inspiration zu ihren Expeditionen, sie hat große Vorbilder und orientiert sich an Roald Amundsen (Polarforscher), Jack London (Schriftsteller), Robert Falcon Scott (Polarforscher)und Ernest Shackleton (Polarforscher).

2006, inspiriert durch Jack London, will sie den Chilkoot Trail erwandern, den der Schriftsteller in dem Buch „Alaska Kid“ beschrieben hat. Zu Fuß macht sie sich in Skagway auf den Weg. In den Jahren 1897-1899 überquerten 100000 Menschen den Pass auf der Suche nach Gold.

Zitat Seite 32: „Wenn man etwas erreichen wollte, musste man es auch wagen, egal was der Rest der Welt dazu sagte“.

2008 will sie die Hardangervidda durchqueren, ein Plateaufjell und die größte Hochebene Europas. Dort hat Roald Amundsen für seine Südpol-Expedition trainiert. Mit ihren Schlittenhunden und einer Bekannten macht sie sich auf den Weg.

Zitat Seite 25: „Es passiert etwas mit dir, wenn du schließlich realisierst, dass du im Fjell ganz alleine bist“.

2012 Iditarot in Alaska, nach drei Tagen wegen Krankheit abgebrochen. Dieses Rennen ist immer noch in ihrem Kopf und wartet auf einen Abschluss.

2014 das Volga Quest Rennen, mit all seinen russischen Eigenheiten.

Mich faszinierten besonders die Beschreibungen von den winterlichen eisigen Landschaften. Auch ein Wetterphänomen, das ich nicht kannte, das „Whiteout“ beschreibt die Autorin.

Beeindruckt war ich auch von ihrer Fahrt nach Togliatti in Rußland. Allein (!!) fuhr sie mit PKW, Anhänger und Hunden von: Norwegen – Fähre – Finnland – Russische Grenze – Sankt Petersburg – Moskau –  nach Togliatti.

Das Volga-Quest Rennen geht über 600 km und auf den letzten Seiten des Buches gibt es eine Karte dazu. Sylvia Furtwängler war die einzige Frau bei diesem Rennen und auch die einzige Europäerin. Sie hat es geschafft, dort ihren „Mann“ zu stehen, was ich sehr bewundere. Dafür braucht man ein gesundes Selbstbewusstsein. Ich habe ein Zitat angefügt, das dies bestätigt:

Zitat Seite 275: „Durch die Art, wie ich in Norwegen lebe, mitten im Schnee und im Sturm, habe ich das absolute Selbstvertrauen, beides zu schaffen. Dieses Selbstvertrauen hätte ich in Deutschland nie entwickeln können. Ich bin mental so tough, ruhe so in mir, dass mir die über 2000 Meilen im Eis nichts ausmachen werden. Eine schönere Erkenntnis als diese gibt es für mich nicht. Ich habe das Ziel vor Augen, nein, ich bin schon am Ziel angekommen, beim Quest und bei Iditarod. Alles ist schon in meinem Kopf. Meine Hunde sind meine besten Partner. Ich vertraue ihnen, und sie vertrauen mir.“

 

Fazit:

Auch wenn mir Frau Furtwängler mir nicht so ganz sympathisch wurde, und obwohl ihr Schreib- und Sprachstil etwas holprig und abrupt war, habe ich sie und ihre Erfahrungen und Erlebnisse dadurch sehr authentisch wahr genommen.

Ich habe sie als starke, selbstbewusste, grundehrliche und unabhängige Frau gesehen, die sehr gut für sich selber, ihre Familie und Hunde einstehen kann. Ich habe gespürt, dass diese Frau nur diesen Weg gehen konnte, das ist ihre Bestimmung.

Besonders gut haben mir die Beschreibungen der eisigen winterlichen Landschaften in der Wildnis gefallen. Ganz egal, ob es während der Schlittenhunderennen, während einer Autofahrt oder gerade vor ihrer Haustür war. All diese Widrigkeiten des Wetters lassen sich als Leser besonders gut genießen, wenn man zuhause in wohliger Wärme von diesen Erfahrungen liest. Genauso geht es mir wenn ich die „Ice Road Truckers“ im Fernsehen schaue.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Es wird wohl auch noch eine Zeitlang nachklingen, denn wer naturverbunden ist, wird wohl auch immer einen kleinen Traum von einem solchen oder ähnlichen Leben in der Wildnis haben.

Ich würde mich freuen, wenn Frau Furtwängler weiterhin von ihrem Leben berichten würde.

Zur Zeit dürfte sie wohl schon auf dem nach Alaska sein und für das Yukon Quest in der ersten Februar Woche trainieren. Anfang März 2016 plant sie, am Iditarod teilzunehmen. Ich drücke ihr die Daumen.

Hier gibt’s Infos auf Deutsch über das Yukon-Quest, die Teilnehmer (Musher) seit 2003 und alle Bedingungen: http://www.yukonquest.info/yukonquest.shtml

Ebenfalls konnte man die Fam. Furtwängler im Fernsehen in der Serie „Goodbye Deutschland“ sehen.

Ich die Sendung nicht gesehen, man kann sie sich aber bei „Vox now“ gegen Gebühr (?) anschauen.

 

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2 Kommentare zu “Furtwängler, Silvia – Nordwärts

  1. Pingback: Uebel, Tina – Uebel Unterwegs | buecher-fuellhorn

  2. Pingback: Jakait, Janice – Tosende Stille (Eine Frau rudert über den Atlantik und findet sich selbst) | buecherfuellhorn

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