Winslow, Don – London undercover -Neal Careys erster Fall-

Winslow, Don - Undercover

Winslow, Don London undercover Neal Careys erster Fall- ISBN 978-3-518-46580-6

Inhalt:

Allie Chase, die minderjährige, rebellische Tochter eines prominenten Senators, ist in die Underground-Szene Londons abgetaucht. Neal hat nur wenige Tage Zeit, um Allie aus dieser Hölle voller Junkies, Drogendealer und Schläger zu befreien, damit sie pünktlich zum Wahlkampf aufgeräumt und strahlend an der Seite ihrer Eltern auftreten kann. Doch was der Untergrund aufzubieten hat, ist nichts gegen das, was Neal an der Oberfläche erwartet – falls er es dorthin zurückschafft … (Quelle Suhrkamp Verlag)

Meine Meinung:

Im Börsenblatt des Buchhandels habe ich das erste Mal über Don Winslow‘s Ermittler Neal Carey gelesen. Insgesamt besteht die Serie aus fünf Bänden und beginnt in den 90iger Jahren, und wurde vor kurzem von Conny Lösch neu übersetzt. Das Buch ist in drei große Kapital gegliedert, einen kleinen Prolog, Teil 1 und Teil 2.

Hier im ersten Band um 23-jährigen Neal Carey erzählt der Autor unter anderem in Rückblicken, wie aus einem 11-jährigen Jungen ein Gelegenheitsermittler wird. Die Handlung spielt in New York, Upper West Side, und der Junge ist ein Taschendieb. Seine Mutter heroinsüchtig und seinen Vater kennt er nicht. Die Wohnung ist verlottert, Neal auf sich selbst gestellt, bis er eines Tages Joe Graham bestielt und von diesem erwischt wird. Man sieht sich immer zweimal und kurze Zeit später begegnen sich die beiden wieder, und Graham nimmt Neal unter seine Fittiche. Im Laufe der Zeit wird Graham so etwas wie sein Vater, und beide betonen dies mit einer Portion Ironie (wie mir scheint), wenn sie sich gegenseitig „Dad“ und „Sohn“ nennen.

Graham arbeitet undercover für die Besitzer einer Bank, die konservative und altehrwürdige Fam. Knitteredge, die das Geld ihrer reichen Anleger vor den Steuerbehörden zu verstecken versteht. Graham erledigt Aufträge, wenn „Freunde der Bank“ Probleme haben und nach und nach arbeitet er Neal in die „Feinheiten“ seines Ermittler-Berufes ein. Neal lernt, wie man Wohnungen durchsucht, wie man jemanden beschattet, lernt allergenaustes beobachten, wie man lautlos in Wohnungen kommt und ähnlich „nützliches“. Im Laufe der Zeit übernimmt Neal auch die ein oder anderen kleineren Fälle der „Firma“. Sein Hauptanliegen ist, und das hat ihm ebenfalls die „Firma“ ermöglicht, er studiert englische Literatur und möchte Englischprofessor werden.

Lange Zeit bleibt die Firma, auch genannt „Friends oft the Family“, oder „die Familie“ für Neal dubios im Hintergrund, um dann plötzlich nach 12 Jahren wird er das erste Mal zu seinem „Chef“ gerufen. Ein brisanter Fall wartet auf ihn: Allie, die Tochter eines US Senators ist untergetaucht und Neal soll sie finden und in den Schoß der Familie zurückbringen.

Unverzüglich macht sich Neal mit dem Pressesprecher des Senatoren auf den Weg zum US-Senator John Chase, um ihn und seine Frau über die gemeinsame Tochter zu befragen und um anschließend seine Ermittlungen in London weiterzuführen, dort, wo Allie zuletzt gesehen wurde. Die Ermittlungen in der Familie des Senators bringen schnell deren Kaltschnäuzigkeit zutage, und wie man sich vorstellen kann, wird das ganze Familienleben dem Wahlkampf untergeordnet, es herrscht eine Doppelmoral und wo nach außen Werte und Familie dargestellt werden, ist die Familie im inneren zerrüttet und von Geheimnissen überschattet. Vor allem, ein „schwarzes Schaf“, in diesem Allie, darf es nicht geben und sie muss schnellsten in den Schoß der Familie zurückgebracht werden. Neal findet direkt nach der ersten Begegnung mit dem Senator und der Mutter von Allie schon Ungereimtheiten heraus und in der Nacht wird er in weitere Heimlichkeiten der Familie eingeweiht. Letzteres erschien mir nicht ganz so plausibel.

Die Geschichte über Neal und Graham wird in Rückblicken erzählt. Immer mal wieder zwischendurch. Dies tut dem Lesen keinen Abbruch, es wird ein kleiner Spannungsbogen aufgebaut und das ergänzt sich gut mit den Ermittlungen im aktuellen Fall. Zudem gibt es noch einen weiteren Rückblick der für den Leser jedoch nur angedeutet wird, anscheinend ist bei einem vergangenen Fall etwas schief gelaufen denn ein Mensch (Jugendlicher?) kam zu Tode.

Mir persönlich fehlt es etwas an Stimmung und weiblicher Emotion, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Die Geschichte wird für meinen Geschmack in einer Männerwelt erzählt, und natürlich auch aus männlicher Sicht. Dies ist normalerweise kein Problem, doch hier fällt es mir sehr stark auf.

Neal ist ein kluger Kopf, erscheint mir aber etwas überkonstruiert. Mir war nicht ersichtlich und logisch nachvollziehbar, wie er zu seinen plötzlichen Ideen kommt. Insgesamt wird zwar eine Entwicklung beschrieben, aber sie kommt nicht so ganz bei mir an. Zusätzlich Spannung soll wohl eine Art Konkurrenzkampf zwischen Neal und Ed Levine bringen, der das New Yorker Büro der „Friends“ führt.

Die zweite Hälfte des Buches hat sich für meine Geschmack flüssiger, spannender und überzeugender lesen gelassen. Obwohl sich die Beschattungs-Aktion in London doch sehr in die Länge zog, und ich mir vorstellen konnte, wie es Neal da erging, im „fast nichtstun“, sondern immer nur Suchen und nicht finden und das über Wochen, bis der Zufall zuschlägt, und er Allie findet. Ab dann wird die Handlung interessant, denn Allie ist in Begleitung einer illustren Gruppe, Zuhälter und andere Gesetzlose am Rande der Gesellschaft. Nachdem Neal so lange gesucht hat, will er nichts überstürzten und infiltriert verdeckt die Gruppe. Undercover, sozusagen. Dennoch wird er von der „Firma“ sabotiert, ein Maulwurf hat sich eingeschlichen. Wer ist die undichte Stelle? Wer spielt ein doppeltes Spiel? Sein ungutes Gefühl von Anfang an scheint sich zu bewahrheiten, er tüftelt einen genialen Überlistungs-Plan aus und so gelingt es ihm kurz vor knapp mit Allie im Schlepptau zu entkommen.

Mit einem alten Sportwagen rasen sie aus London hinaus ins ländliche England, seine sichere Adresse ist ein altes Cottage im Moor. Idylle pur. Hier gelingt Allie ein Entzug, unterstützt von Neal. Sie kommen sich näher, platonisch. An einem der letzten Tage werden sie von Allie‘s Zuhälter gefunden, und auf den letzten Seiten wird es nochmal richtig dramatisch.

Eine überraschende Komponente ganz am Schluss – und ein versöhnliches Ende.

Fazit:

In der ersten Hälfte des Buches werden die Hauptprotagonisten ausführlich vorgestellt. Mir fehlte hier der emotionale Kick, um Neal’s Charatker glaubhafter darstellen zu können. So blieb er für mich erst mal blass und ohne Tiefe, obwohl seine Entwicklung ausführlich beschrieben wurde. Es klang ein wenig überkonstruiert und kalt. Die zweite Hälfte ist dann regelrecht rasant und dramatisch. Hier kommt eine weibliche Komponente in Form von der gesuchten Allie in Spiel und dadurch wirkte dann auch Neal etwas menschlicher, sein Charakter kristallisierte sich besser sichtbar heraus.

Insgesamt jedoch war die Figur des Ermittlers Neal nicht so spannend, dass ich jetzt am liebsten sofort Band 2 weiterlesen müsste. Dennoch hat der Ermittler seinen ganz eigenen Reiz, aber es ist noch „Luft nach oben“. Und wie so auch bei anderen Serien geschehen, werden die Figuren im Laufe der Zeit „richtig gut“. Von daher möchte ich natürlich schon Band 2 weiterlesen, um die Entwicklung zu verfolgen.

Für alle die mehr Infos wünschen, hier der Link zum Buch auf der Seite des Verlages:

http://www.suhrkamp.de/don-winslow/neal-carey/london-undercover_1289.html

 

 

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