Michaelis, Antonia – Der Märchenerzähler

Michaelis, Antonia Der Märchenerzähler ISBN-13: 978-3789142895

Michaelis, Antonia
Der Märchenerzähler
ISBN-13: 978-3789142895

Inhalt:

Geliebter Mörder? Atemlos spannend – ein Meisterwerk von Antonia Michaelis!
Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?
Ein temporeicher Thriller und eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte – lässt nicht los! Eindrucksvoll, begeisternd und abwechslungsreich. (Quelle Oetinger Verlag)

 Meine Meinung:

Ich wollte schreiben „Das Buch ist eine Wucht und hat mich „umgehauen“. Das ist aber zu stark ausgedrückt für so eine zarte, verwobene Geschichte. Das Buch hat mich „stark berührt“, passt da schon eher. Ich musste weiterlesen, wollte mich in diese märchenhafte Geschichte versenken. Das gelang mir auch gut, da ich in drei Nächten daran gelesen habe. Vielleicht war es mir auch deshalb so eindrücklich, weil ich ganz und gar und ungestört damit verschmelzen konnte.

Doch von vorne: ausgeliehen in der Stadtbücherei, war es auf der Jugend-Literaturliste eines 5-Tages-Seminares einer Literatur-Weiterbildung.

Das Seminar ist mittlerweile über zwei Monate her, und mit diesem Buch stand ich auf der Warteliste der Stadtbücherei und erhielt es erst vor kurzem. Es ist ein Jugendbuch und die Inhaltsangabe hörte sich Thriller-mäßig an und meine Lese-Vorfreude-Lust hielt sich sehr in Grenzen. Ich „schob“ es bis zum Schluss.

Das Buch fängt langsam an, „baut“ als erstes die Hauptfigur Anna auf. Annas Freundin Gitta nennt sie „mein liebes Kind“, was ich ein wenig altmodisch und befremdlich finde. Das erwog mich fast schon mit dem Lesen aufzuhören, wie gut, dass ich es nicht getan habe. Und außerdem kommt diese Gitta auch nicht allzu oft vor. Die Geschichte spielt an der Ostsee, in Greifswald, einer Stadt in der Nähe der Insel Rügen. Die Autorin wohnt soweit ich mich erinnere, auf oder um Usedom herum.

Der Musiker Leonard Cohen wird öfters erwähnt, und am Ende des Buches ist eine Seite mit seinen Hits, die mit diesem Buch -im weitesten Sinn- im Zusammenhang stehen. Ich könnte vermuten, die Autorin ist ein Fan von ihm.

Die Geschichte spielt im Winter, und jeder kann sich vorstellen, wie es da an der Ostsee ist: kalt, düster, windig, trostlos … und man merkt schon nach den ersten Seiten, dass diese Geschichte auf etwas zusteuert, dass vielleicht nicht gut ausgehen wird.

Gleich zu Anfangs werden die sozialen Unterschiede zwischen Anna und Abel hervorgehoben. Platt gesagt, würde ich diese als „die Prinzessin und der Drogendealer“ betiteln.

Abel, der Drogendealer erzählt seiner kleinen Schwester ein Märchen, reale Personen werden in das von ihm selbst erfundene Märchen, das ganz nah an der Realität spielt, eingewoben. Das weiß aber zunächst nur Abel, dann der Leser und ziemlich schnell dann auch Anna. In diesem Märchen können wir als Leser auch andere uns bekannte Märchen entdecken, aber ziemlich gut versteckt, würde ich meinen, wie Hänsel und Gretel, Dornröschen. Mir fiel das erst in der Mitte des Buches auf, ich glaube, wenn ich vorher genauer darauf geachtet hätte, hätten sich mir noch andere Märchen aufgezeigt.

Anna nennt ihre Eltern Magnus und Linda, was für mich die ganze Zeit sehr verwirrend war. Anna kommt aus der „reichen, behüteten“ Welt, Abel aus der untersten sozialen Schicht. Und das unmögliche geschieht, die beiden verlieben sich. Und das wir so wunderschön sanft, zart und poetisch angedeutet, dass es für mich momentan keine Worte dafür gibt. Man selber fiebert mit, ahnt schon, diese Liebe ist sehr zerbrechlich. Aber man würde es den beiden so wünschen, dass es einen Weg für sie gibt. Dies alles wird in einer wunderschönen, poetischen und märchenhaften Sprache erzählt.

Im letzten Drittel ändert sich der Ton des Buches. Zweifel und Misstrauen beunruhigen Anna, die Liebe bekommt erste Risse, Sprünge; obwohl es vorher schon klar war, dass diese Liebe nicht einfach werden würde. Eine Liebe in zwei Welten, die nicht verschiedener sein könnten. Eine Abwärtsspirale wird in Gang gesetzt, der sich Anna so gut geht es widersetzt, Abel, so denke ich, hat die Hoffnung aufgegeben und lebt nur noch für seine kleine Schwester.

Annas Gefühle fahren Achterbahn, durch die Ereignisse, die sich rasant zuspitzen, ist sie tageweise zwischen „himmelhoch-jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ hin und her gerissen.

Ich fragte mich beim lesen, kann es denn die beiden noch schlimmer treffen? Und hoffte auf ein nein, die Hoffnung wurde leider nicht erfüllt. Es kam schlimmer, das wirklich undenkbare geschieht. Die Liebe scheint gestorben und noch viel viel schlimmer ist alles.

Dennoch, „Das unmögliche ist möglich.“

Dieses Buch ist keine leichte Strandlektüre, ich würde sogar raten, dass Buch im Winter zu lesen, wenn es draußen klirrend kalt ist, die Bäume kahl, und das Winterlicht einen drinnen im Haus wohlig warm kuschelig träumen und lesen lässt.

Den Einstieg in die Geschichte fand ich nicht so glatt, und nicht jeder wird die „Geschichte in der Geschichte, also das Märchen in der Geschichte“, mögen und können. Ich fand einen Zugang zu dem Schreibstil, zu der irgendwie eigenartigen und zerbrechlichen Geschichte und dem Märchen, zu den Personen, bangte und hoffte mit ihnen. Bis zum Schluss.

Die Geschichte berührte mich sehr. Diese Liebe berührte mich sehr. Nach dem Lesen lag ich noch lange wach, dachte nach, drehte, wendete, analysierte diese Liebe.

Für das Ende finde ich keine Worte.

Die Autorin jedoch meint es gut mit Leser, will den Schluss abmildern und bietet eine zweite Variante an. Und ich sage euch – das war für mich auch bitter nötig.

Irgendwie musste ich an Romeo und Julia denken, obwohl ich „die“ noch nicht gelesen habe.

 

Fazit:

Nicht leicht, nicht einfach, nicht jedermann wird einen Zugang zu der Geschichte finden. Aber ich finde: es sollte einen Versuch wert sein. Nicht auf die Inhaltsangabe achten. Es erwartet euch eine wunderschöne magische Sprache der Autorin, eine Geschichte wie mit Spinnfäden gewebt, eine Liebe, die noch lange nachhallt.

Einfach:  ! Unbedingt Lesen !

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