Belitz, Bettina – Vor uns die Nacht

Belitz, Bettina Vor uns die Nacht ISBN 978-3-8390-0159-2

Belitz, Bettina
Vor uns die Nacht
ISBN 978-3-8390-0159-2

Inhalt:

Eine Liebesgeschichte voller Hingabe, Sinnlichkeit und großer Gefühle – der neue Roman von der Erfolgsautorin der Splitterherz-Trilogie.
Sie hassen sich, wenn sie miteinander reden. Und sie lieben sich, wenn sie sich berühren. Sicher ist nur eins: Seit Ronia Jan getroffen hat, ist nichts mehr wie zuvor. Seit sie ihn das erste Mal gesehen hat, muss sie jeden Freitag zurückkehren. Abends. An den Fluss. Wenn es dort still und einsam ist. Hier, so hofft sie, wird sie ihn wiedersehen … Niemand hat die 21-jährige Studentin Ronia bisher so fasziniert wie der rebellische Jan, der keine Konventionen kennt. Ronia und Jan kommen aus völlig verschiedenen Welten und fühlen sich doch magisch voneinander angezogen. Auch wenn Ronia zunächst dagegen ankämpft – es ist zwecklos, sie kann sich dem rätselhaften Jan nicht entziehen. Da sie jedoch einige bittere Enttäuschungen hinter sich hat, möchte sie diesmal alles anders machen: keine Träumereien, keine Versprechen, keine Liebesschwüre – sie will die Zügel in der Hand behalten. Und so beginnt ein hochexplosives, hingebungsvolles und nervenaufreibendes Spiel … (Quelle Script 5-Verlag)

 

Meine Meinung:

Am Anfang erinnerte mich die Geschichte ein wenig an den Märchenerzähler von Antonia Michaelis: Behütete Tochter lernt kriminellen Drogendealer kennen.

Doch von vorne: Ronia, behütete 21 jährige Pfarrerstochter, studiert Archäologie und wohnt in einer platonischen WG mit ihrem Sandkastenfreund und Polizisten Jonas. Die Familie und Freundinnen bedrängen Ronia nach einer erneuten Enttäuschung, endlich zuzugeben, dass sie in Wirklichkeit in ihren Beschützer und Tröster Jonas verliebt ist. Ronia hegt jedoch nur brüderliche Gefühle, wobei Jonas in Ronia verliebt ist und schon lange geduldig auf sie „wartet“.

Ziemlich plötzlich verliebt sich Ronia aufs heftigste in den sehr gut aussehenden 19-jährigen Jan, angeblich ein Callboy und in der Drogenszene behaftet.

Langsam, glaubhaft und authentisch wird der Leser in Ronias Gefühlswelt geführt.

Zunächst im ihren Schmerz mit den Enttäuschungen, dann die Verliebtheit in Jan, der so aussieht wie ein „griechischer Gott“, sie aber eher links liegen lässt. Ronia steigert sich in dieses Verliebtsein, zu Anfangs noch optimistisch, sie will dieses mal stark sein, „die Zügel in der Hand halten“. Drei zufällige Treffen unter magisch-sphärischen Bedingungen, wie in einer geschützten Hülle von der Außenwelt abgeschlossen an einem magischen Ort, offenbaren Ronias starke Gefühle, die über Verliebtheit weit hinausgehen.

Ein süchtig machendes Gemisch aus desaströsen Liebesleben und erotischen Katastrophengebiet“, so beschreibt Ronia ihre innere Zerrissenheit.

Man fragt sich: Sieht so die Liebe ihres Lebens aus? Ja ! Oder doch nicht? Ist es nicht ein wenig einseitig?

Die Gefühlsschwankungen gehen weiter, Jan wird zur Ronias Obsession. Sie distanziert sich endgültig von Ihrem Elternhaus, will nicht mehr die gute Pfarrerstochter sein, zieht sich auch von ihren Freundinnen zurück, weil sei keine Zeit mehr hat, weil sie auf der Lauer nach Jan liegt. Von allen Seiten erhält sie Warnungen „lass die Finger von ihm“, „das ist nicht dein Ernst“ ….

Sind sie und Jan überhaupt zusammen? Was bedeuten die zufälligen Treffen, Berührungen und Sätze, die sie teilen? Ronia wird unaufmerksam, vergesslich und aufbrausend, wenn sie als Freitag-Abend-Jogging-Runden getarnte eventuelle Begegnungen mit Jan erleben will. Sie ist süchtig nach Jan und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ist das Liebe? Und, liebt er sie auch?

Die Autorin hat eine Charakterstudie einer 21 jährigen, jungen und verliebten Frau, Ronia, gewoben. Gewoben, weil die Wörter und Sätze wie Spinnwebgen fein sich durch die ersten zwei Drittel der Geschichte ziehen.

Das letzte Drittel brachte mich dann wieder zur Besinnung, vielleicht war das von der Autorin so gewollt, jetzt trat die Phase der Realität nach dem Verliebtsein ein.

Was mich die ganze Zeit störte, war der Kontrast von Ronias Reizdarm zu den magischen Momenten, als sie und Jan sich nahe waren. Verliebtsein geht mit Schmetterlingen im Bauch einher, aber Ronias Bauch und Darm machten ganz schlapp, ehrlich gesagt, ich dachte sie wird Magersüchtig oder verhungert. Keine Frage, Liebe schlägt auf den Magen, aber so extrem?

Insgesamt blieb Jan charakterlich vernachlässigt auf der Strecke, er kam mir stellenweise sehr emotionslos vor. Ich kaufte ihm sein esoterisches Wissen und die kurzen Reden über „alte Seelen und alte Augen“ nicht ab. Die Autorin wollte das Super-Model Jan (es kam so nach und nach heraus, dass er kein Callboy sondern Model war)mysteriös wirken lassen, mir kam das deplatziert vor. Genau so, als beide plötzlich und wie aus heiterem Himmel beim verliebt-unschuldigen Petting „esoterische Wellen“ spürten; genau so als das Super-Model Jan Stachelbeeren einkocht (ich dachte nur hä ?? und musste zweimal nachlesen); genauso als Ronia plötzlich MS (Multiple Sklerose) bekommt; und genauso, als sich Ronja innerhalb vier Stunden auf einmal dazu bekennt, Jonas und nur den „brüderlichen“ Jonas zu lieben, das wäre ihr jetzt klar geworden.

Also, das alles ging gar nicht bei mir. Hier hat die Autorin, nachdem sie in zwei Drittel des Buches nur, zugegebenermaßen wundervoll, Ronias Seelenlebens aus allen Varianten beleuchtet. Dies war auch stellenweise einfach zu viel, so dass ich oft in Versuchung war, Sätze und Zeilen zu überspringen. Überhaupt sollte wohl im letzten Drittel dann endlich die eigentliche Handlung kommen, und das dann zackig-zackig und alles auf einmal. Das hat mir überhaupt nicht gefallen.

 

Fazit:

Zwei Drittel langatmige, aber literarisch gut umgesetzte Gefühlswelten einer verliebten 21-jährigen. Im letzten Drittel dann zu viel unglaubwürdige Handlung.

Wenn man den „Der Märchenerzähler“ gelesen hat, dann würde man dieses hier kein zweites Mal lesen wollen.

 

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