Backmann, Fredrik – Ein Mann namens Ove

Backmann, Fredrik Ein Mann namens Ove ISBN: 978-3-8105-0480-7

Backmann, Fredrik
Ein Mann namens Ove
ISBN: 978-3-8105-0480-7

Inhalt:

Alle lieben Ove: der neue Nummer-1-Bestseller aus Schweden von Fredrik Backman.Eine Geschichte über Nachbarn, Freundschaft, Liebe, das richtige Werkzeug und was sonst noch wirklich zählt im Leben – witzig, rührend, grummelig, großartig.Haben Sie auch einen Nachbarn wie Ove? Jeden Morgen macht er seine Kontrollrunde und schreibt Falschparker auf. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich ein großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja gestorben

ist und man ihn vorzeitig in Rente geschickt hat, sieht er keinen Sinn mehr im Leben und trifft praktische Vorbereitungen zum Sterben. Doch dann zieht im Reihenhaus nebenan eine junge Familie ein, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet… (Quelle Fischer Verlage)

Meine Meinung:

Ove ist 59 Jahre alt, fährt seit Lebzeiten nur Saab, und das Buch beginnt mit Oves Einkauf eines I-Pads in einem Media-Markt ähnlichen Laden, der den Verkäufer total überfordert. Der Anfang von Oves Geschichte ist zugleich auch das Ende.

Der Leser steigt also gleich in die Geschichte ein, und wie sich herausstellen wird, kann Ove sehr herausfordernd sein.

Das Buch ist in viele Kapitel aufgeteilt, die alle Überschriften wie „Ein Mann Namens Ove kauft einen Computer, der kein Computer ist“ oder „Ein Mann Namens Ove und der Tag, an dem er die Nase voll hatte“ heißen. Die verschiedenen Kapitel spielen mehr oder weniger abwechselnd in der Vergangenheit und Gegenwart, für den Leser ist dies aber immer sehr überschaubar und so lernt man nach und nach Ove immer besser kennen und verstehen, was beileibe sonst nicht einfach wäre.

So macht Ove z.B. jeden Tag seinen „Kontrollgang“ durch die Siedlung, in der wohnt, notiert sich Kennzeichen von falsch geparkten Autos, kontrolliert den kameraüberwachten Wertstoffraum.

Dies hat sich von heute auf morgen geändert, als Ove in „Rente“ geschickt wird, um mal „einen Gang runter zu schalten“. Für Ove ist das jedoch keine Option und so meldet er sein Telefon ab, die Zeitung ebenso, legt eine Plastikfolie auf den Boden, bohrt einen Haken in die Decke und will sich aufhängen.

Seite 59: „Keine Kredite. Keine Schulden. Keiner soll nach ihm aufräumen müssen. Ove hat seine Kaffeetasse abgewaschen und sein Zeitungsabonnement gekündigt. Es ist soweit.“

Im Laufe der Geschichte versucht Ove erfolglos auf mehrere Arten Selbstmord zu begehen. Dies verhindern aber unabsichtlich die eben zugezogenen neuen Nachbarn und andere Nachbarn, die so nach und nach in den Vordergrund und Ove auf die Pelle rücken.

Die Episode, als die neuen Nachbarn ins Spiel kommen, die Szene, als dieser Auto-Anhänger rückwärts eingeparkt werden muss, ist wirklich filmreif und am Büchereiabend (Vorstellung der neuen Bücher im November 2014) in der Stadtbücherei hat Frau Heinrich genau dieses Kapitel zur Belustigung der Zuhörer vorgelesen.

Das Verhältnis zwischen Ove und Parvaneh, der neuen persischen verheirateten Nachbarin erschien mir aber unglaubwürdig nah. Parvaneh „schreit“ Ove öfters an, möchte ihn zurechtweisen, aber das ist für mich irgendwie unplausibel. Besonders eine bestimmte Krankenhausszene am Schluss (ab Seite 352) ist eher merkwürdig.

Im Laufe der Geschichte wird Ove ziemlich unerträglich, er bremst Schnellfahrer aus, hält sich genauestens an die Höchstgeschwindigkeiten, will Sprit sparen fährt aber sechs mal auf einem Parkplatz rund um einen Platz vorne am Eingang zu ergattern. Ove ist kleinkariert, ein Nörgler, ein Besserwisser, unsozial und ein Un-Sympath. Ove liebt Zahlen, mir kam so manchmal der Verdacht, dass Ove Autist ist oder das Asperger-Syndrom hat.

Im Laufe des Buches wird manchem Leser Ove ans Herz wachsen, weil er weiß, warum Ove so geworden ist, wie er ist. Am schlimmsten hat Ove getroffen, dass seine Frau vor sechs Monaten gestorben ist.

Dazu hier ein Zitat über Oves Frau:

Seite 49: Ove ist ein Mann aus Schwarz und Weiß. Und sie war seine Farbe. All seine Farbe.

Und ein Zitat über Oves Gedanken:

Seite 282: „Es ist, als wolle er verhindern, dass andere Menschen mit ihm sprechen, weil er Angst hat, dass der Lärm ihres Geschwafels die Erinnerung an Sonjas Stimme zuschütten könnte.“

So erzählt Oves Geschichte auch eine sehr berührende Liebesgeschichte mit einem Außenseiter. Wirklich wunderschön und zu Tränen rührend. Der muffige seltsame Ove und die lebenslustige Sonja.

Als seine Frau Sonja stirbt, eint ihn die Trauer ein halbes Jahr später mit fast der ganzen Siedlung.

Ove hat seine Prinzipien, so gibt es auch eine spezielle Geschichte, wieso er nur Saab fährt und das leuchtet dem Leser dann auch ein. Und überhaupt, manche seiner Ansichten sind gar nicht so verkehrt:

Seite 95: Es ist eine Welt, in der man aussortiert wird, bevor man verschlissen ist. Ein ganzes Land, das sich hinstellt und der Tatsache applaudiert, dass keiner mehr etwas wirklich richtig kann. Rückhaltloser Beifall für die Mittelmäßigkeit.

Am Schluss wird die Geschichte leider eher „slapstick-haft“. Ove stirbt anders als erwartet, er hinterlässt einen Brief an Parvaneh. Ove war ein Millionär, und verteilt nun sein Erbe. Das ist schon alles sehr klischeehaft, passt aber dadurch irgendwie zum Buch.

Fazit:

Ein Leben in der Art wie „Forest Gump“ und „Der 100jährige der aus dem Fenster stieg …“ . Es hat mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen, es war stellenweise witzig, stellenweise sehr anrührend. Aber die Entwicklung des seltsamen Ove hin zu einem millionenschweren Familienmensch war mir zu klischeehaft. Ich würde mir das Buch nicht ins Regal stellen wollen, für mich reicht es aus, es einmal gelesen zu haben. Trotzdem ein überwiegend amüsantes Buch, leicht und schnell zu lesen.

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Ein Kommentar zu “Backmann, Fredrik – Ein Mann namens Ove

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