Winter, Judith – Lotusblut Band 2 Capelli und Zhou

Winter, Judith – Lotusblut   Band 2 Capelli und Zhou

LotusblutInhalt:

Der zweite Fall für die Kommissarinnen Emilia Capelli und Mai Zhou

„Es ist schon einmal jemand hier gewesen.
In diesem Haus. In diesem Raum. Sie kann es fühlen.
Und sie weiß, dass es ein Mädchen gewesen ist. Ein Mädchen wie sie.“
Emilia Capelli und Mai Zhou werden zu ihrem zweiten Fall gerufen: Hoch oben in einem Frankfurter Luxushotel hat sich ein tragischer Doppelmord ereignet. Das Ehepaar Klatt wurde im Hotelzimmer eiskalt durch einen Kopfschuss getötet.
Während Em und Zhou noch rätseln, wieso gerade sie bei ihrer Fortbildung unterbrochen und zu diesem Fall geordert wurden, kommt von der Rezeption ein entscheidender Hinweis: gemeinsam mit dem Ehepaar Klatt hat deren vermeintliches Enkelkind eingecheckt, ein asiatisches Mädchen. Von ihr fehlt allerdings bislang jede Spur.
Noch im Hotel läuft die kleine Kaylin den beiden Ermittlerinnen in die Arme. Tatsächlich scheint zurück im Präsidium Licht ins Dunkel zu kommen, bis nach einem Moment der Unachtsamkeit Kaylin erneut verschwindet… Die Fortsetzung zu Judith Winters erstem Roman »Siebenschön« (Quelle DTV Verlag)

Meine Meinung:

Es dauerte keine fünf Minuten, und ich war wieder „drin“. Wieder bei Capelli und Zhou. Und wieder: Spannend vom Anfang bis Ende. Ich bin begeistert. Auf den ersten 30 Seiten wird schon mit zwei Verbrechensfällen so viel Spannung erzeugt, dass ich das Buch am liebsten auf einen Schlag komplett durch gelesen hätte.

Dies ist der zweite Band des Ermittler-Teams Emilia Capelli und Mai Zhou, ihr Revier: Frankfurt.

Noch immer sind die die beiden Ermittlerinnen kein perfekt eingespieltes Team, Zhou ist die Vertretung für einen Kollegen, der in Elternzeit ist. Es fallen Andeutungen, ob Zhou vielleicht ihren Platz wieder räumen muss, wenn der Kollege zurück kommt. Capelli will davon nichts hören, denn irgendwie ist ihr Zhou doch nicht so egal, wie sie tut. Schnell merkt der Leser, Capelli und Zhou mögen sich, wissen es aber nicht.

Faszinierend fremdartig ist für mich ist die hochintelligente Zhou. Sie hat asiatische Wurzeln, ist aber in der westlichen Welt verankert, spricht Deutsch und Mandarin perfekt und ohne Akzent. Sie ist absolut fleißig, und ich erfahre viele Eigenheiten eines asiatischen Lebens, wie z.B. das korrekte Tee kochen, die sozialen Gefüge innerhalb der Familie und zu den Eltern, das Streben nach Fleiß und Arbeit, überhaupt – der asiatische Charakter (wenn ich das mal so nennen darf) …

Das Problem der „Identität finden“ ist ein bekanntes, dass viele Einwanderer auch nach Jahren noch haben und hier in diesem Fall auf die Geschichte „Lotusblut“ bezogen bezogen: In Frankfurt ist Zhou die Asiatin, und in Asien ist Zhou eine Europäerin. Sie hat keine Heimat und keine Wurzeln und fühlt sich nirgends richtig verstanden. Dieses Problem spiegelt sich in Zhou’s Alltag wieder, und genau da hat mich die Geschichte auch immer wieder gepackt. Diese Kulturunterschiede üben für mich einen großen Reiz dieses Ermittler-Teams aus .

Emilia Capelli hat diese Probleme nicht, auch wenn sie italienische Wurzeln hat, ist sie aber voll und ganz eine italienische Hessin. Bestenfalls ihr stürmisches Temperament steht ihr öfter mal im Wege.

Jedenfalls raufen die beiden sich im zweiten Band schon ganz gut zusammen, Capelli hat ihre Feindseligkeiten aufgegeben, auch wenn sie im Angesicht der charakterlichen Kulturunterschiede schon mal denkt:

Zitat Seite 31: „Vor jemanden, der sich seit geschlagenen fünf Stunden artig und brav Notizen machte und sich dabei nicht ein einziges Mal hatte ablenken lassen …“

In einer Schulung wird Capelli an ihren „ersten Fall“ erinnert. Das ist der Einstieg in die Geschichte, Capelli war damals noch ein Kind. Ihr Schuldbewusstsein meldet sich während des aktuellen Falles immer zwischendurch und setzt auch den Schlusspunkt der Geschichte.

Während dieser NLP Schulung (Neuro-Linguistisches Programmieren) im Dezernat werden Capelli und Zhou zu einem Mordfall geordert. Ein bis dahin unbescholtenes Unternehmer-Ehepaar wird erschossen in einem Hotel aufgefunden. Der Fall wirft viele Fragen auf und die größte Frage ist: Wer ist das asiatische Mädchen, das im Hotel gefunden wird und mit dem Unternehmer-Ehepaar eingecheckt hat?

Nichts in diesem Fall kommt so, wie man es erwartet. Das Mädchen verschwindet aus polizeilicher Obhut und Capelli und Zhou werden von dem Fall abgezogen, das BKA hat die Hände im Spiel. Daraus ergeben sich Machtspielchen, die eigentlich niemand gewinnen kann.

Die bis dahin allzu korrekte-geflissentlich-ernsthafte Zhou lässt sich von dem Temperament ihrer Kollegin mitreißen und beide ermitteln auf eigene Faust.

Überhaupt! Das Mädchen Kaylin ist die dritte Hauptfigur in dieser Geschichte. Man muss sie einfach gern haben, dieses zurückhaltende geduldige Mädchen mit dem Fünkchen magischen alten Wissens. Es passt zu ihr, es passt zu ihrer Kultur, ich als Leser nehme ihr ihre mystischen Wahrnehmungen ernst und fiebere mit ihr. Ich konnte es immer kaum abwarten, bis Kaylin wieder an der Reihe mit erzählen war.

Der Leser nimmt aus verschiedenen Blickpunkten an dem Fortgang der Geschichte teil, zum einen aus der Sicht von Zhou, dann aus der Sicht von Capelli und aus der Sicht von Kaylin, dem Kind fast ohne Identität.

Ebenfalls für mich interessant ist der Ort der Verbrechen: Frankfurt und Umgebung. Da ich im entfernten Umkreis wohne, die Autorin die wichtigsten Lokalitäten wie z.B. Miquelallee, Römer, Universitätskliniken, Mainzer Uni etc. erwähnt, erkenne ich einiges wieder. Das macht es zusätzlich für mich interessant, aber auch Leser die Frankfurt nicht kennen, wird es gefallen.

Fazit:

„A new Star was born“!

Es passt alles, die Spannung, das Zwischenmenschliche, das Interessante, der Frankurter Lokalkolorit – ich kann es gar nicht abwarten, die zukünftigen Bände zu lesen.

Dieses Ermittler-Team gehört momentan zu meinen absoluten Favoriten und ich kann es nur wärmstens empfehlen.

Reihenfolge „Capelli + Zhou“:

  1. Band: Siebenschön
  2. Band: Lotusblut
  3. Band: Sterbegeld (erscheint im Dez. 2015)
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